017631236863 caze@fresstipp.de

Nur weil „Nierendiät“ auf einer Verpackung steht, ist dieses Futter noch lange nicht automatisch die beste Ernährung für einen nierenkranken Hund.

Der Tierarzt stellt auffällige Nierenwerte oder eine Niereninsuffizienz fest. Der Besitzer bekommt ein sogenanntes Nierendiätfutter empfohlen und geht verständlicherweise davon aus, dass damit alles Notwendige getan wurde. Schließlich steht vorne auf der Verpackung, wofür das Futter bestimmt sein soll.

Doch die Aufschrift sagt zunächst nur etwas über den vorgesehenen Ernährungszweck aus. Sie sagt nicht automatisch, ob hochwertige Zutaten enthalten sind, woher das Protein stammt, ob die Proteinmenge ausreicht, ob der Hund seine Muskulatur behalten kann, ob ausreichend Feuchtigkeit aufgenommen wird und ob dieses Futter überhaupt zum Stadium der Erkrankung passt.

Ein Nierenfutter kann sehr niedrige Protein- und Phosphorwerte besitzen und trotzdem hauptsächlich aus Kartoffeln, Reis, Mais, Gluten, pflanzlichen Nebenerzeugnissen und zugesetzten Fetten bestehen. Die gewünschten Analysewerte können damit erreicht werden. Ob der Hund dadurch auch hochwertig versorgt wird, ist eine vollkommen andere Frage.

In diesem Artikel schauen wir deshalb nicht nur auf die Vorderseite der Verpackung. Wir drehen das Futter um, nehmen reale Rezepturen auseinander und prüfen, was ein Hund mit Niereninsuffizienz tatsächlich benötigt.

Kurz zusammengefasst

  • „Nierendiät“ ist kein allgemeines Qualitätssiegel.
  • Ein einzelner erhöhter Nierenwert bestätigt noch keine chronische Niereninsuffizienz.
  • Blut, Urin, Blutdruck, Phosphat und der körperliche Zustand gehören zusammen.
  • Die Fütterung muss zum IRIS-Stadium und zum konkreten Hund passen.
  • Zu wenig Protein kann besonders in Stadium 3 zu erheblichem Muskelabbau führen.
  • Große Kartoffel- und Stärkemengen liefern vor allem Energie, ersetzen aber keine hochwertige tierische Proteinversorgung.
  • Phosphor kann über die Fütterung und einen Phosphatbinder gezielt kontrolliert werden.
  • Trockenfutter empfehlen wir bei Niereninsuffizienz wegen der fehlenden Futterfeuchtigkeit und seiner häufig stärkebetonten Zusammensetzung nicht.
  • Unsere Grundlage ist ein hochwertiges, offen deklariertes Nassfutter, das individuell angepasst wird.

Was bedeutet die Aufschrift „Nierendiät“?

Die Bezeichnung „Nierendiät“ beziehungsweise „Diät-Alleinfuttermittel zur Unterstützung der Nierenfunktion bei chronischer Niereninsuffizienz“ ist an einen bestimmten Ernährungszweck gebunden.

Das bedeutet aber nicht, dass das Futter unabhängig geprüft und als besonders hochwertig ausgezeichnet wurde.

Die Aufschrift ist:

  • kein allgemeines Qualitätssiegel,
  • kein Nachweis für einen hohen Fleischanteil,
  • kein Nachweis für hochwertige tierische Proteinquellen,
  • keine Garantie für eine offene Deklaration,
  • keine Garantie für eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung,
  • und keine Bestätigung dafür, dass das Futter zu jedem Nierenpatienten passt.

Ein Futter kann die vorgesehenen Analysewerte einhalten und trotzdem eine Zusammensetzung besitzen, die wir für einen nierenkranken Hund nicht empfehlen würden.

Umgekehrt muss auf einem geeigneten hochwertigen Nassfutter nicht zwingend „Nierendiät“ stehen. Entscheidend ist, ob die gesamte Fütterung an die Nierenwerte, das Stadium, den Phosphorgehalt, die Proteinversorgung und den Zustand des Hundes angepasst wurde.

Kurzerklärung

Stellen Sie sich die Bezeichnung „Nierendiät“ wie ein Hinweisschild an einer Tür vor. Auf dem Schild steht, wofür der Raum gedacht ist.

Das Schild sagt aber nicht, wie der Raum eingerichtet ist, welche Qualität die Möbel besitzen und ob der Raum für Ihren konkreten Hund passend ausgestattet wurde.

Der Körper benötigt weiterhin Baustoffe

Stellen Sie sich vor, in Ihrem Haus befindet sich ein großes Loch in der Wand. Sie rufen einen Maurer und bitten ihn, dieses Loch zu schließen. Anschließend nehmen Sie ihm aber die Steine, den Mörtel, die Kelle und das Wasser weg.

Der Maurer steht nun zwar vor der beschädigten Wand. Er besitzt aber nichts mehr, womit er arbeiten kann.

Genauso geht es dem Körper, wenn einem kranken Hund aus Angst vor einer Belastung immer mehr Nährstoffe entzogen werden.

Der Organismus benötigt weiterhin:

  • hochwertige Aminosäuren,
  • tierisches Protein,
  • Energie,
  • geeignete Fette,
  • essenzielle Fettsäuren,
  • Vitamine,
  • Mineralstoffe,
  • Spurenelemente,
  • und ausreichend Flüssigkeit.

Diese Baustoffe benötigt er unter anderem für:

  • den Erhalt der Muskulatur,
  • Enzyme und Hormone,
  • die Immunabwehr,
  • Transportvorgänge im Blut,
  • Haut und Fell,
  • die Erhaltung von Gewebe,
  • und sämtliche laufenden Stoffwechselprozesse.

Eine Nierenfütterung darf deshalb nicht ausschließlich das Ziel verfolgen, möglichst niedrige Zahlen auf die Verpackung zu bekommen.

Wenn Protein und tierische Bestandteile immer weiter reduziert und hauptsächlich durch Kartoffeln, Reis, Mais oder Fett ersetzt werden, erhält der Hund möglicherweise weiterhin ausreichend Kalorien. Ihm fehlen aber zunehmend die Baustoffe, die sein Organismus tatsächlich benötigt.

Die entscheidende Aufgabe lautet: Den Phosphor gezielt kontrollieren, ohne dem Hund seine hochwertige Grundversorgung zu entziehen.

Kurzerklärung

Kalorien sind der Treibstoff des Körpers. Protein, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe sind dagegen ein Teil seiner Baustoffe und Werkzeuge.

Ein Auto kann mit Kraftstoff fahren. Einen kaputten Reifen kann der Kraftstoff aber nicht ersetzen.

Genauso können Kartoffeln Energie liefern, aber keine vollständige tierische Proteinversorgung ersetzen.

Ein erhöhter Nierenwert ist noch keine bestätigte Niereninsuffizienz

Ein erhöhter Kreatinin- oder SDMA-Wert sollte ernst genommen werden. Er bedeutet aber nicht automatisch, dass der Hund bereits eine bestätigte chronische Niereninsuffizienz hat.

Ein einzelner Laborbefund ist zunächst eine Momentaufnahme.

Beeinflusst werden können einzelne Werte unter anderem durch:

  • den Flüssigkeitszustand,
  • eine akute Erkrankung,
  • Medikamente,
  • eine vorangegangene chemische Belastung,
  • die Fütterung vor der Blutentnahme,
  • körperliche Belastung,
  • die Muskelmasse,
  • eine Harnabflussstörung,
  • oder eine akute Nierenschädigung.

Deshalb sollte zunächst geklärt werden:

  • Welcher Wert ist auffällig?
  • Wie stark ist der Wert verändert?
  • Welche anderen Werte wurden bestimmt?
  • Wurde der Urin untersucht?
  • Bestehen Beschwerden?
  • Gab es Medikamente oder andere Belastungen?
  • Ist die Veränderung dauerhaft oder vorübergehend?

Bei einem stabilen Hund und einer milden Auffälligkeit kann eine erneute Kontrolle nach einigen Wochen zeigen, ob sich der Wert bestätigt. Ein Zeitraum um sechs Wochen kann dafür – abhängig vom gesamten Befund – eine sinnvolle Orientierung sein.

Während dieser Abklärungsphase muss nicht reflexartig eine hochwertige Nahrung gegen ein stark proteinreduziertes Nierenfutter ausgetauscht werden.

Die bisherige hochwertige Nassfütterung kann überprüft und angepasst werden. Je nach Phosphatwert und bisheriger Phosphoraufnahme kann bereits ein Phosphatbinder eingesetzt werden, um eine erste Entlastung zu schaffen.

Anschließend wird anhand der Kontrollwerte entschieden, ob tatsächlich eine chronische Niereninsuffizienz vorliegt und wie die Fütterung dauerhaft aufgebaut werden sollte.

Bei stark erhöhten Werten, Erbrechen, Futterverweigerung, deutlicher Schwäche, Austrocknung, auffälligem Harnabsatz oder einer möglichen Giftaufnahme sollte nicht mehrere Wochen abgewartet werden.

Kurzerklärung

Leuchtet im Auto eine Warnlampe auf, wissen Sie zunächst nur, dass etwas überprüft werden muss. Sie wissen noch nicht, ob Flüssigkeit fehlt, ein Sensor spinnt oder tatsächlich ein größerer Schaden vorliegt. Ein einzelner erhöhter Nierenwert fordert eine genauere Untersuchung, liefert aber noch nicht automatisch die komplette Diagnose.

Eine einzelne Blutabnahme ist ein Foto. Erst mehrere Untersuchungen ergeben einen Film und zeigen, ob eine Veränderung bestehen bleibt, besser wird oder fortschreitet.

Welche Nierenwerte werden benötigt?

Die Niere ist nicht nur ein Filter. Sie ist gleichzeitig Filteranlage, Wasserwerk und Kontrollzentrum.

Sie:

  • filtert Stoffwechselprodukte aus dem Blut,
  • reguliert den Wasserhaushalt,
  • beeinflusst den Mineralstoffhaushalt,
  • reguliert unter anderem Phosphat, Natrium und Kalium,
  • wirkt an der Blutdruckregulation mit,
  • und ist an der Bildung roter Blutkörperchen beteiligt.

Deshalb reichen Kreatinin und SDMA allein nicht aus, um die gesamte Situation zu beurteilen.

Untersuchung Was wird damit betrachtet?
Kreatinin Filterleistung in Verbindung mit Muskelmasse und Flüssigkeitszustand
SDMA Möglicher früher Hinweis auf eine nachlassende Filterleistung
Harnstoff Ausscheidung eines Stoffes aus dem Proteinabbau
Phosphat Fähigkeit der Niere, den Phosphathaushalt zu regulieren
Calcium Mineralstoffhaushalt und Auswahl weiterer Maßnahmen
Kalium und Natrium Flüssigkeits-, Muskel- und Elektrolythaushalt
Urinspezifisches Gewicht Fähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren
UPC-Wert Proteinverlust über den Urin
Urinsediment Blut, Zellen, Kristalle oder mögliche Bakterien
Blutdruck Belastung der feinen Nierengefäße
Blutbild und Hämatokrit Mögliche Blutarmut und Allgemeinzustand
Ultraschall Größe, Form und Struktur der Nieren und Harnwege

 

Kreatinin näher erklärt: Kreatinin entsteht im Zusammenhang mit dem Muskelstoffwechsel. Ein gut bemuskelter Hund kann deshalb einen anderen Ausgangswert besitzen als ein alter Hund mit starkem Muskelabbau. Hat ein Hund bereits viel Muskulatur verloren, kann sein Kreatininwert vergleichsweise wenig auffällig erscheinen, obwohl die Nierenleistung eingeschränkt ist.

Kurzerklärung

Kreatinin ist wie die Sägespäne einer Werkstatt. Eine große Werkstatt produziert mehr Sägespäne als eine kleine. Die Menge der Sägespäne sagt nicht allein, wie gut die Absauganlage arbeitet.

SDMA näher erklärt: SDMA kann früh auf eine nachlassende Filterleistung hinweisen. „Früh“ bedeutet aber nicht, dass ein einzelner erhöhter SDMA-Wert bereits eine chronische Niereninsuffizienz beweist.

Kurzerklärung

Ein Rauchmelder kann Rauch früh erkennen. Sein Alarm sagt aber noch nicht, ob das Haus brennt oder ob lediglich etwas in der Küche angebrannt ist.

Harnstoff näher erklärt: Im Alltag wird häufig von „Harnsäure“ gesprochen, obwohl beim Nierenprofil des Hundes meistens der Harnstoffwert gemeint ist. Harnstoff entsteht beim Proteinabbau und wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Der Wert kann außerdem durch Flüssigkeitsmangel, Fütterung, körpereigenen Proteinabbau, Blutungen und weitere Erkrankungen beeinflusst werden.

Kurzerklärung

Harnstoff ist wie Müll, der zur Müllabfuhr gebracht wird. Steht besonders viel Müll an der Straße, kann die Müllabfuhr zu langsam sein oder im Haushalt ist ungewöhnlich viel Müll entstanden.

Phosphat näher erklärt: Eine eingeschränkte Niere kann überschüssiges Phosphat möglicherweise nicht mehr ausreichend ausscheiden. Ein Phosphatbinder bindet einen Teil bereits im Verdauungstrakt, sodass weniger davon aufgenommen wird.

Kurzerklärung

Stellen Sie sich Phosphat wie Pakete vor, die über ein Versandzentrum ausgeschleust werden. Ist das Versandzentrum überlastet, stapeln sich die Pakete. Der Phosphatbinder fängt einen Teil bereits vorher ab.

Urinspezifisches Gewicht näher erklärt: Dieser Wert zeigt, wie stark die Niere den Urin noch konzentrieren kann. Lässt diese Fähigkeit nach, setzt der Hund häufig größere Mengen eines stärker verdünnten Urins ab.

Kurzerklärung

Blutwerte zeigen, was sich vor der Filteranlage angesammelt hat. Der Urin zeigt, was hinten aus der Anlage herauskommt. Wer eine Filteranlage beurteilen möchte, muss beide Seiten untersuchen.

UPC-Wert näher erklärt: Der UPC-Wert zeigt, ob der Hund übermäßig viel Protein über den Urin verliert.

Kurzerklärung

Stellen Sie sich den Nierenfilter wie ein Sieb vor. Wasser und bestimmte kleine Stoffe dürfen hindurch. Größere Eiweißbestandteile sollten überwiegend im Körper bleiben.

Blutdruck näher erklärt: Zu hoher Blutdruck belastet die feinen Gefäße und Filterstrukturen der Niere. Gleichzeitig kann eine Nierenerkrankung selbst den Blutdruck beeinflussen.

Kurzerklärung

Ein Gartenschlauch hält einen bestimmten Wasserdruck aus. Wird der Druck dauerhaft zu hoch, werden Schlauch, Anschlüsse und Dichtungen belastet.

Calcium, Kalium und Natrium näher erklärt: Mineralstoffe beeinflussen sich gegenseitig. Veränderungen können Muskelkraft, Herzrhythmus, Flüssigkeitsverteilung, Ergänzungen und die Auswahl des Phosphatbinders beeinflussen.

Kurzerklärung

Stellen Sie sich Calcium, Kalium und Natrium wie die Regler an einem Mischpult vor. Natrium beeinflusst vor allem die Wasserverteilung, Kalium die Funktion von Nerven, Muskeln und Herz und Calcium unter anderem Muskeln, Knochen und die Signalübertragung. Wird ein Regler deutlich verändert, kann das gesamte Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht geraten.

Blutbild und Hämatokrit näher erklärt: Die Niere wirkt an dem Signal mit, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Bei einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz kann eine Blutarmut entstehen.

Kurzerklärung

Fehlt dieses Signal, stehen bildlich gesprochen zu wenige Transportfahrzeuge für den Sauerstoff zur Verfügung.

Fragen für das Tierarztgespräch

Besitzer müssen keine Tierärzte werden. Sie sollten aber verstehen, welche Entscheidung für ihren Hund getroffen wird.

  1. Welcher Wert ist genau erhöht?
  2. Wie stark ist die Veränderung?
  3. Wurden Kreatinin und SDMA gemeinsam bestimmt?
  4. Wie hoch sind Harnstoff und Phosphat?
  5. Wurde der Flüssigkeitszustand berücksichtigt?
  6. Wurde der Urin untersucht?
  7. Wie hoch ist das Urinspezifische Gewicht?
  8. Wurde ein UPC-Wert bestimmt?
  9. Wurde der Blutdruck gemessen?
  10. Sind Calcium, Kalium und Natrium bekannt?
  11. Liegt bereits eine bestätigte chronische Niereninsuffizienz vor?
  12. Welches IRIS-Stadium wurde festgestellt?
  13. Wann werden die Werte kontrolliert?
  14. Warum wird genau dieses Futter empfohlen?
  15. Aus welchen Zutaten stammt das Protein?
  16. Wie wird verhindert, dass der Hund Muskulatur verliert?
  17. Kann eine hochwertige Nassfütterung angepasst und mit einem Phosphatbinder kombiniert werden?

Diese Fragen sind kein Angriff. Sie helfen dabei, eine langfristige Entscheidung nachvollziehen zu können.

Kurzerklärung

Wer eine größere Reparatur am Haus beauftragt, möchte wissen, was beschädigt ist, welche Arbeiten notwendig sind und welches Material verwendet wird. Bei einer langfristigen Fütterungsentscheidung sollte das nicht anders sein.

Kompensation ist keine optimale Ernährung

Hunde sind an eine überwiegend tierische Nahrung angepasst. Das zeigen unter anderem ihr Scherengebiss, die Art der Nahrungszerkleinerung und ihr vergleichsweise kurzer Verdauungstrakt.

Ein Hund kann aufgeschlossene Stärke verarbeiten und daraus Energie gewinnen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass eine Fütterung mit 40, 50 oder sogar 70 Prozent Kartoffeln, Reis oder Mais eine optimale Ernährung darstellt.

Hier muss zwischen verarbeiten und gedeihen unterschieden werden.

Der Organismus kann über einen langen Zeitraum vieles kompensieren. Er passt sich an eine unvorteilhafte Versorgung an und versucht, seine Funktionen trotzdem aufrechtzuerhalten.

Diese Kompensation beweist nicht, dass die Ernährung bedarfsgerecht aufgebaut ist.

Wird Fleisch immer weiter reduziert und durch Stärke ersetzt, kann Folgendes passieren:

  • Der Hund erhält weiterhin Kalorien.
  • Sein Magen wird gefüllt.
  • Sein Körpergewicht bleibt zunächst stabil.
  • Er kann Körperfett aufbauen.
  • Gleichzeitig erhält er zu wenig hochwertiges Protein.
  • Der Körper beginnt, die eigene Muskulatur abzubauen.

Kurzerklärung

Ein Mensch kann längere Zeit mit einem unbequemen Schuh laufen. Er verlagert sein Gewicht und verändert seine Haltung. Dass er noch laufen kann, bedeutet aber nicht, dass der Schuh zu seinem Fuß passt.

Eine stärkereiche Mahlzeit kann den Magen füllen und Energie liefern. Sättigung beschreibt das Gefühl im Magen. Versorgung beschreibt, welche Baustoffe im gesamten Organismus ankommen.

Die Ernährung in den IRIS-Stadien 1 bis 4

Die IRIS-Einstufung dient dazu, eine bestätigte und stabile chronische Nierenerkrankung einzuordnen. Sie sollte nicht allein anhand eines einmalig erhöhten Wertes vorgenommen werden.

IRIS-Stadium Kreatinin beim Hund Vereinfacht erklärt
Stadium 1 unter 1,4 mg/dl Nierenerkrankung möglich, obwohl Kreatinin noch unauffällig sein kann
Stadium 2 1,4–2,8 mg/dl Leichte bis mäßige Einschränkung
Stadium 3 2,9–5,0 mg/dl Deutliche Einschränkung
Stadium 4 über 5,0 mg/dl Schwere Einschränkung

Diese Zahlen sind keine vollständige Diagnose. SDMA, Urin, UPC, Blutdruck, Muskelmasse und weitere Befunde gehören dazu.

 

IRIS-Stadium 1

Jetzt geht es vor allem darum, die Diagnose zu bestätigen, Ursachen zu suchen, den Verlauf zu beobachten, unnötig hohe Phosphoraufnahmen zu vermeiden sowie Flüssigkeit, Gewicht und Muskulatur zu sichern. Eine drastische Proteinreduzierung ist nicht automatisch sinnvoll.

Kurzerklärung

Die Filteranlage zeigt erste Auffälligkeiten, arbeitet aber noch weitgehend. Jetzt sollte man beobachten, kontrollieren und gezielt entlasten – nicht vorsorglich sämtliche Baustoffe entfernen.

IRIS-Stadium 2

Die Kontrolle des Phosphors wird wichtiger. Gleichzeitig benötigt der Hund ausreichend Energie und hochwertiges Protein. Ein hochwertiges, phosphorärmer ausgewähltes Nassfutter kann die Grundlage bilden und je nach Werten durch einen Phosphatbinder ergänzt werden.

Kurzerklärung

Die Niere benötigt mehr Unterstützung, aber der übrige Körper muss weiterhin vollständig versorgt werden. Gezielt verändern, was tatsächlich belastet – nicht pauschal alles reduzieren.

IRIS-Stadium 3

Übelkeit, nachlassender Appetit, Gewichts- und Muskelverlust, Schwäche, Blutarmut und Veränderungen des Mineralstoffhaushalts treten häufiger auf. Eine pauschal starke Proteinreduzierung wird besonders problematisch. Phosphatbinder können zu einem dauerhaften Bestandteil der Fütterung werden.

Kurzerklärung

Die Baustelle ist größer. Gerade deshalb darf man dem Maurer nicht zusätzlich Steine, Mörtel und Werkzeug wegnehmen.

IRIS-Stadium 4

Häufig stehen Futterverweigerung, Übelkeit, Erbrechen, Austrocknung, Schwäche und deutlicher Muskelverlust im Vordergrund. Entscheidend ist, dass der Hund ausreichend Nahrung und Flüssigkeit tatsächlich aufnimmt. Ein Futter mit theoretisch perfekten Analysewerten hilft nicht, wenn der Hund es verweigert.

Kurzerklärung

Ein voller Futternapf ist keine Versorgung, wenn der Hund nicht frisst. Die Nahrung muss nicht nur berechnet, sondern tatsächlich aufgenommen und vertragen werden.

Stadium 3: Wenn der Hund sein eigenes Muskelprotein abbaut

Protein wird unter anderem benötigt für:

  • Muskulatur,
  • Enzyme,
  • Hormone,
  • Transportproteine,
  • Antikörper,
  • Zellreparatur,
  • Haut und Fell,
  • und die Erhaltung sämtlicher Gewebe.

Erhält der Hund zu wenig Energie oder zu wenig verwertbares Protein, stellt der Körper seinen Bedarf nicht einfach ein.

Er beginnt, körpereigenes Protein abzubauen. Dieses Protein stammt vor allem aus der Skelettmuskulatur.

Der Hund beginnt damit, sich selbst abzubauen.

Mögliche Folgen sind:

  • sichtbarer Muskelschwund,
  • eingefallene Schläfen,
  • Verlust der Rückenmuskulatur,
  • dünnere Oberschenkel,
  • Schwäche,
  • schlechtere Beweglichkeit,
  • nachlassende Belastbarkeit,
  • und verlangsamte Regeneration.

Besonders tückisch: Der Hund kann gleichzeitig Körperfett aufbauen. Sein Gewicht bleibt möglicherweise stabil, obwohl seine körperliche Substanz abnimmt.

Auch beim Abbau körpereigener Muskulatur entstehen stickstoffhaltige Stoffwechselprodukte. Eine übertriebene Proteinreduzierung verhindert deshalb nicht automatisch die Belastung durch Proteinabbauprodukte.

Sie kann dazu führen, dass der Hund statt des Proteins aus dem Futter sein eigenes Muskelprotein verwertet.

Das Ziel lautet: ausreichend hochwertiges Protein, kontrollierter Phosphor, genügend Energie und konsequenter Erhalt der Muskulatur.

Kurzerklärung

Zwei Einkaufstaschen können gleich schwer sein, obwohl eine mit Fleisch und die andere mit Watte gefüllt ist. Genauso kann ein Hund bei gleichem Körpergewicht Muskulatur verlieren und gleichzeitig Fett aufbauen.

Phosphor und Phosphatbinder

Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff. Bei einer Niereninsuffizienz besteht das Problem nicht darin, dass Phosphor grundsätzlich schlecht ist.

Das Problem besteht darin, dass die eingeschränkte Niere überschüssiges Phosphat möglicherweise nicht mehr ausreichend ausscheiden kann.

Dafür gibt es zwei wichtige Möglichkeiten:

  1. die Auswahl und Zusammenstellung der Nahrung,
  2. den Einsatz eines Phosphatbinders.

Der Phosphatbinder bindet einen Teil des Phosphats im Verdauungstrakt. Dadurch wird weniger davon aufgenommen.

In der Abklärungsphase

Liegt zunächst ein auffälliger Nierenwert vor, kann die hochwertige Nassfütterung überprüft und zunächst beibehalten werden. Je nach Phosphatwert und Futterzusammensetzung kann ein Phosphatbinder eingesetzt werden, während nach einigen Wochen kontrolliert wird, ob sich die Auffälligkeit bestätigt.

In Stadium 3 und 4

In fortgeschrittenen Stadien kann der Phosphatbinder zu einem dauerhaften Bestandteil der Mahlzeiten werden. Dadurch lässt sich der Phosphor gezielt kontrollieren, während der Hund weiterhin eine hochwertige, feuchte und ausreichend nährstoffreiche Nahrung erhält.

Den Hund hochwertig versorgen und den Phosphor gezielt kontrollieren.

Kurzerklärung

Stellen Sie sich Phosphat wie Pakete vor, die über ein Versandzentrum ausgeschleust werden. Ist das Versandzentrum überlastet, stapeln sich die Pakete. Der Phosphatbinder fängt einen Teil bereits vorher ab.

Wenn in einem Zimmer ein Gegenstand stört, müssen Sie nicht den ganzen Raum leerräumen. Der Binder hilft, genau den Bereich zu beeinflussen, der kontrolliert werden soll.

Warum wir Trockenfutter bei Niereninsuffizienz nicht empfehlen

Eine eingeschränkte Niere benötigt eine zuverlässige Flüssigkeitsversorgung.

Nassfutter enthält häufig etwa 70 bis 80 Prozent Feuchtigkeit. Trockenfutter enthält meistens nur ungefähr 8 bis 10 Prozent.

Damit bringt eine feuchte Nahrung – bezogen auf das Futtergewicht – ungefähr die sechs- bis achtfache Wassermenge mit.

Dieses Wasser ist bereits Bestandteil der Mahlzeit. Wir bezeichnen es in diesem Artikel als Systemwasser.

Beim Trockenfutter fehlt der größte Teil dieses Wassers. Der Hund muss die fehlende Flüssigkeit separat trinken.

Bei einem Nierenpatienten kann nicht zuverlässig vorausgesetzt werden, dass er diesen Unterschied vollständig ausgleicht. Gleichzeitig kann eine eingeschränkte Niere den Urin häufig nicht mehr ausreichend konzentrieren. Der Hund verliert mehr Flüssigkeit und benötigt eine besonders sichere Wasserzufuhr.

Hinzu kommt die hohe Verdichtung des Trockenfutters. Moderne Kroketten nehmen auch beim längeren Einweichen nicht automatisch so viel Wasser auf, dass daraus eine mit Nassfutter vergleichbare feuchte Nahrung entsteht.

Trockenfutter bedeutet deshalb:

  • kaum Futterwasser,
  • stark konzentrierte Nahrung,
  • häufig einen hohen Stärkeanteil,
  • eine zusätzliche Abhängigkeit vom Trinkverhalten,
  • und keine mit einer natürlichen feuchten Mahlzeit vergleichbare Futterstruktur.

Ein niedriger Phosphorwert ändert an diesen Punkten nichts.

Deshalb empfehlen wir bei einer Niereninsuffizienz kein Trockenfutter.

Kurzerklärung

Nassfutter bringt das Wasser bereits mit dem Essen in den Körper. Beim Trockenfutter müssen Futter- und Flüssigkeitsaufnahme getrennt sichergestellt werden. Gerade bei einem kranken Hund möchten wir diese Versorgung nicht dem Zufall überlassen.

Trocken- und Nassfutter richtig vergleichen

Die Prozentangaben auf Nass- und Trockenfutter dürfen nicht direkt miteinander verglichen werden. Ein Nassfutter enthält deutlich mehr Wasser. Dadurch sehen Protein- und Phosphorwerte auf der Verpackung zunächst niedriger aus.

Berechnung der Trockenmasse:

100 – Feuchtigkeit = Trockenmasse

Beispiel Nassfutter: 100 – 73,2 = 26,8 Prozent Trockenmasse.

Umrechnung eines Nährstoffs auf die Trockenmasse:

Nährstoffgehalt ÷ Trockenmasse × 100

Beispiel Phosphor: 0,07 ÷ 26,8 × 100 = rund 0,26 Prozent Phosphor in der Trockenmasse.

Umrechnung auf einheitlich 12 Prozent Feuchtigkeit:

Nährstoffgehalt × 88 ÷ Trockenmasse

Angabe Nassfutter-Beispiel Trockenfutter-Beispiel
Feuchtigkeit 73,2 Prozent 8,5 Prozent
Trockenmasse 26,8 Prozent 91,5 Prozent
Protein laut Verpackung 4,2 Prozent 13,7 Prozent
Protein auf Trockenmasse ca. 15,7 Prozent ca. 15,0 Prozent
Phosphor laut Verpackung 0,07 Prozent 0,26 Prozent
Phosphor auf Trockenmasse ca. 0,26 Prozent ca. 0,28 Prozent
Futterwasser je 100 Gramm ca. 73 Milliliter ca. 8,5 Milliliter
Grundstruktur Feuchte Mahlzeit Stark verdichtete Trockennahrung

Die Umrechnung macht Analysewerte vergleichbarer. Sie sagt aber noch nichts über Rohstoffqualität, Futterwasser, offene Deklaration oder die Eignung des gesamten Futters aus.

Phosphor kann gezielt mit einem Binder kontrolliert werden. Fehlendes Systemwasser lässt sich nicht durch die Aufschrift „Nierendiät“ ausgleichen.

Kurzerklärung

Ein Esslöffel Sirup enthält weniger Zucker als ein ganzes Glas Limonade. Trotzdem kann der Sirup viel stärker konzentriert sein. Damit man zwei Lebensmittel sinnvoll vergleichen kann, muss man Wasser und Menge berücksichtigen.

Drei anonymisierte Trockenfutter-Rezepturen

Die folgenden Zusammensetzungen stammen aus realen Nierentrockenfuttern. Die Markennamen werden bewusst nicht genannt.

Trockenfutter 1

Zusammensetzung, gekürzt: Reis, Maisfuttermehl, tierisches Fett, Maisgluten, Mais, hydrolysiertes Geflügelprotein, Rübentrockenschnitzel, Weizenglutenfutter, Mineralstoffe und Fischöl.

Analytische Bestandteile:

  • Protein: 14 Prozent
  • Fett: 18 Prozent
  • Phosphor: 0,20 Prozent

Der niedrige Protein- und Phosphorgehalt wird durch eine Rezeptur erreicht, die wesentlich aus Reis, Maisbestandteilen, Gluten und Fett aufgebaut ist. Die konkret benannte tierische Proteinquelle steht erst nach mehreren pflanzlichen und stärkehaltigen Zutaten.

Der Besitzer kann nicht erkennen, wie viel hochwertiges tierisches Protein der Hund tatsächlich erhält. Gleichzeitig enthält das Futter kaum Feuchtigkeit.

Kurzerklärung

Zutaten werden nach ihrem Gewicht vor der Verarbeitung aufgelistet. Stehen Reis, Mais und weitere pflanzliche Bestandteile weit vorne, prägen sie einen erheblichen Teil der Rezeptur.

Trockenfutter 2

Zusammensetzung, gekürzt: Gemahlener Reis, tierische Fette, gemahlener Mais, getrocknetes Vollei, Maisgluten, Proteinhydrolysat, Leinsamen, Fischöl und Rübentrockenschnitzel.

Analytische Bestandteile:

  • Protein: 13,8 Prozent
  • Fett: etwa 19 Prozent
  • Phosphor: 0,22 Prozent

Auch dieses Futter ist stark reis-, mais- und fettbetont. Getrocknetes Vollei kann tierisches Protein liefern. Aus der Deklaration ist aber nicht erkennbar, welchen mengenmäßigen Anteil es besitzt.

Der Hund kann Kalorien erhalten und satt werden. Trotzdem muss gefragt werden, ob seine Muskulatur langfristig ausreichend versorgt wird. Auch hier fehlt das Systemwasser.

Kurzerklärung

Ein Kuchen kann ein Ei enthalten und trotzdem hauptsächlich aus Mehl und Zucker bestehen. Die bloße Nennung einer hochwertigen Zutat sagt noch nichts über ihren Anteil an der gesamten Rezeptur.

Trockenfutter 3

Zusammensetzung, gekürzt: Reis, Weizen, Mais, Fischöl, Schweinefett, Eipulver, Krill, Mineralstoffe, tierisches Proteinhydrolysat und Kartoffelprotein.

Analytische Bestandteile:

  • Protein: 13,7 Prozent
  • Fett: 16 Prozent
  • Phosphor: 0,26 Prozent
  • Kohlenhydrate: ungefähr 56 Prozent
  • Feuchtigkeit: 8,5 Prozent

Mehr als die Hälfte dieses Futters besteht rechnerisch aus Kohlenhydraten. Dadurch können Protein- und Phosphorwerte reduziert werden. Gleichzeitig werden große Teile tierischer Nahrung durch Reis, Weizen, Mais und Kartoffelprotein ersetzt.

Gerade in Stadium 3 muss kontrolliert werden, ob das Gewicht nur durch die hohe Energiezufuhr stabil bleibt, während die Muskulatur abnimmt. Auch dieses Futter liefert kaum Feuchtigkeit.

Kurzerklärung

Kohlenhydrate liefern Energie. Sie stellen aber nicht automatisch die hochwertigen Aminosäuren bereit, die der Hund für seine Muskulatur benötigt.

Zwei anonymisierte Nassfutter-Rezepturen

Nassfutter besitzt durch seine Feuchtigkeit einen wichtigen Vorteil. Trotzdem ist nicht jedes Nassfutter automatisch hochwertig oder für einen Nierenpatienten geeignet.

Nassfutter 1

Zusammensetzung, gekürzt: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, darunter 16 Prozent Rind, Öle und Fette, Gemüse, Eier und Eierzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe und Bierhefe.

Analytische Bestandteile:

  • Protein: 5,2 Prozent
  • Fett: 11 Prozent
  • Phosphor: 0,12 Prozent
  • Feuchtigkeit: 77 Prozent

Der hohe Feuchtigkeitsgehalt ist positiv. Problematisch ist die geschlossene Deklaration.

„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist ein Sammelbegriff. Die Angabe „darunter 16 Prozent Rind“ erklärt nicht den vollständigen Doseninhalt.

Unklar bleiben:

  • die übrigen Tierarten,
  • der Muskelfleischanteil,
  • Art und Menge der Innereien,
  • weitere tierische Bestandteile,
  • die genaue Proteinqualität,
  • und die verwendeten Fettquellen.

Kurzerklärung

Die Angabe „16 Prozent Rind“ bedeutet nicht automatisch 16 Prozent hochwertiges Rindermuskelfleisch. Sie sagt nur, dass 16 Prozent des Futters dem Rind zugeordnet werden.

Nassfutter 2

Zusammensetzung, gekürzt: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette, verschiedene Zucker und Mineralstoffe. Als Proteinquelle wird Schweineleber genannt.

Analytische Bestandteile:

  • Protein: 4,2 Prozent
  • Fett: 6,8 Prozent
  • Phosphor: 0,07 Prozent
  • Feuchtigkeit: 73,2 Prozent

Der sehr niedrige Phosphorgehalt kann zunächst positiv erscheinen. Trotzdem fehlen nachvollziehbare Mengenangaben zu Fleisch, Schweineleber, anderen tierischen Bestandteilen, pflanzlichen Nebenerzeugnissen, Ölen, Fetten und Zuckerarten.

„Verschiedene Zucker“ erklärt weder Art noch Menge oder Aufgabe. Zuckerarten können unter anderem für Geschmack, Akzeptanz, Struktur oder technische Zwecke eingesetzt werden.

Die langfristige Energie- und Proteinversorgung muss besonders bei Gewichts- und Muskelverlust geprüft werden.

Kurzerklärung

Wenn der Hund ein Futter nicht verträgt oder sich seine Werte verändern, muss nachvollziehbar sein, was er aufgenommen hat. Bei Sammelbegriffen lässt sich keine bestimmte Zutat sicher erkennen oder gezielt verändern.

Offene und geschlossene Deklarationen

Eine offene Deklaration benennt Zutaten und Mengen möglichst konkret, beispielsweise:

  • 70 Prozent Rindermuskelfleisch,
  • 10 Prozent Rinderherz,
  • 5 Prozent Rinderleber,
  • konkret benannte Öle,
  • und konkret benannte Mineralstoffquellen.

Eine geschlossene Deklaration arbeitet dagegen mit Sammelbegriffen:

  • Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse,
  • pflanzliche Nebenerzeugnisse,
  • Öle und Fette,
  • verschiedene Zucker.

Ein Hersteller, der einen hohen Anteil hochwertigen Muskelfleisches verwendet, kann diesen Vorteil konkret benennen.

Verstecken sich die Bestandteile hinter Sammelbegriffen, kann der Käufer die behauptete Qualität nicht überprüfen. Für uns gibt es dann keine ausreichende Grundlage, dieses Futter als hochwertig einzustufen.

Die Aufschrift „Nierendiät“ ändert daran nichts.

Kurzerklärung

Wenn Ihnen jemand eine Suppe anbietet und nur sagt, sie enthalte „tierische und pflanzliche Erzeugnisse“, wissen Sie nicht, was Sie essen. Nennt er jede Zutat und Menge, können Sie die Zusammensetzung beurteilen.

Kartoffelreiche Nierenfutter

Ein reales Beispiel für eine kartoffelreiche Nierenrezeptur enthält:

  • 41 Prozent Kartoffel,
  • 29 Prozent Apfel,
  • 19 Prozent Hühnerherzen,
  • 8 Prozent Lammpansen,
  • 1 Prozent Lachsöl,
  • Mineralstoffe und Ergänzungen.

Kartoffel und Apfel ergeben zusammen 70 Prozent der Rezeptur.

Eine solche Zusammensetzung kann Energie liefern und den Phosphorgehalt reduzieren. Gleichzeitig zeigt sie, wie stark tierische Bestandteile verdrängt werden können.

Geprüft werden muss:

  • Wie viele Gramm Protein erhält der Hund?
  • Woher stammt dieses Protein?
  • Reicht die Aminosäureversorgung?
  • Bleibt die Muskulatur stabil?
  • Reichen Fett und Energie?
  • Ist die Mineralstoffergänzung vollständig?
  • Wie verträgt der Hund die große Stärke- und Fasermenge?

Eine individuell zusammengestellte Kartoffel-Nierenration kann eingesetzt werden. Sie muss aber fachgerecht ergänzt und auf den konkreten Hund abgestimmt werden.

„Viel Kartoffel und wenig Fleisch“ ist noch keine vollständige Nierenfütterung.

Kurzerklärung

Ein Mensch kann seinen Magen mit trockenem Brot füllen und satt sein. Trotzdem enthält diese Mahlzeit nicht alles, was sein Körper langfristig benötigt.

Stärke und Bauchspeicheldrüse

Je größer der Anteil von Kartoffeln, Reis, Mais und anderen Stärkequellen ist, desto größer ist die Stärkemenge, die im Verdauungssystem aufgeschlossen und verarbeitet werden muss.

An dieser Verarbeitung ist die Bauchspeicheldrüse wesentlich beteiligt. Sie stellt unter anderem Enzyme für die Kohlenhydratverdauung bereit.

Wird ein Hund plötzlich oder dauerhaft mit einer sehr stärkereichen Ration gefüttert, muss sein Organismus diese große Kohlenhydratmenge entsprechend verarbeiten.

Beobachtet werden sollten:

  • Kotmenge und Kotbeschaffenheit,
  • Blähungen,
  • Bauchbeschwerden,
  • Übelkeit,
  • auffälliger Hunger,
  • Gewichtszunahme bei gleichzeitigem Muskelabbau,
  • bestehende Stoffwechselprobleme,
  • und bereits bekannte Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.

Eine Nierendiät sollte nicht dadurch passend gemacht werden, dass Fleisch weitgehend entfernt, große Mengen Kartoffeln eingesetzt und die zusätzliche Arbeit lediglich in einen anderen Bereich des Verdauungssystems verschoben wird.

Kurzerklärung

Die Bauchspeicheldrüse stellt einen Teil der Werkzeuge bereit, mit denen Nahrung zerlegt wird. Verändert sich die Nahrung zu einer sehr stärkereichen Rezeptur, verändert sich auch die anfallende Verdauungsarbeit.

Checkliste für die Futterauswahl

Zum Hund:

  • bestätigte Diagnose oder laufende Abklärung,
  • IRIS-Stadium,
  • Kreatinin, SDMA, Harnstoff und Phosphat,
  • Calcium, Kalium und Natrium,
  • Urinspezifisches Gewicht und UPC-Wert,
  • Blutdruck,
  • Körpergewicht und Muskelzustand,
  • Appetit, Trinkmenge und Verträglichkeit.

Zum Futter:

  • vollständige Zusammensetzung,
  • Prozentangaben der Hauptzutaten,
  • konkret benannte Tierarten,
  • Muskelfleisch- und Innereienanteil,
  • Proteinmenge,
  • Phosphorgehalt,
  • Feuchtigkeit,
  • Energiegehalt,
  • Fettquellen,
  • Mineralstoffergänzung,
  • und tägliche Futtermenge.

Zum Phosphatbinder:

  • Wird ein Binder benötigt?
  • Soll er zunächst übergangsweise eingesetzt werden?
  • Wird er in Stadium 3 oder 4 dauerhaft benötigt?
  • Wann werden Phosphat und weitere Werte kontrolliert?

Kurzerklärung

Das beste Futter auf dem Papier kann für einen bestimmten Hund ungeeignet sein. Entscheidend ist nicht nur, was in der Dose steckt, sondern was beim Hund ankommt und wie sich sein Zustand entwickelt.

Häufig gestellte Fragen

Bedeutet ein erhöhter Kreatininwert automatisch Niereninsuffizienz?

Nein. Der Wert muss gemeinsam mit SDMA, Harnstoff, Urin, Flüssigkeitszustand, Muskelmasse und Verlauf beurteilt werden.

Muss sofort ein Nierendiätfutter gefüttert werden?

Nicht allein aufgrund eines einmalig erhöhten Wertes. Zunächst sollte geklärt werden, welche Befunde vorliegen und ob sich die Veränderung bestätigt.

Kann hochwertiges Nassfutter weitergefüttert werden?

Ja, wenn seine Zusammensetzung überprüft und an den Hund angepasst wird. Phosphor, Protein, Energie, Mineralstoffe und Gesamtmenge müssen berücksichtigt werden.

Warum empfehlen wir kein Trockenfutter?

Weil es kaum Futterwasser liefert und häufig stark stärkehaltig aufgebaut ist. Die notwendige Flüssigkeit müsste der Nierenpatient vollständig separat aufnehmen.

Ist ein besonders niedriger Phosphorwert immer besser?

Nicht isoliert betrachtet. Der Hund benötigt weiterhin eine vollständige Versorgung. Phosphor kann gezielt kontrolliert werden, ohne pauschal hochwertige Nährstoffe zu entziehen.

Wann kann ein Phosphatbinder eingesetzt werden?

Je nach Phosphatwert und Fütterung kann er bereits während der Abklärungsphase zur Entlastung eingesetzt werden. In fortgeschrittenen Stadien kann er dauerhaft Bestandteil der Mahlzeiten werden.

Warum ist zu wenig Protein gefährlich?

Erhält der Hund nicht genügend Protein und Energie, greift der Organismus auf die eigene Muskulatur zurück und baut körpereigenes Protein ab.

Kann ein Hund von Kartoffeln satt werden?

Ja. Sättigung und vollständige Versorgung sind aber nicht dasselbe. Kartoffeln liefern hauptsächlich Energie und ersetzen keine hochwertige tierische Proteinversorgung.

Warum reicht das Körpergewicht nicht aus?

Weil ein Hund Muskelmasse verlieren und gleichzeitig Körperfett aufbauen kann. Sein Gewicht bleibt dabei möglicherweise unverändert.

Fazit

Die Aufschrift „Nierendiät“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Futter hochwertig und für jeden Hund mit Niereninsuffizienz geeignet ist.

Ob es dem konkreten Hund gerecht wird, zeigt erst der Blick auf:

  • die vollständige Zusammensetzung,
  • die Proteinquellen,
  • den Phosphorgehalt,
  • die Energieversorgung,
  • die Feuchtigkeit,
  • die Laborwerte,
  • das IRIS-Stadium,
  • die Futterakzeptanz,
  • das Körpergewicht,
  • und die Muskelmasse.

Ein einzelner auffälliger Nierenwert ist zunächst eine Warnleuchte. Für eine vernünftige Beurteilung werden Blut, Urin, Blutdruck, körperlicher Zustand und der Verlauf benötigt.

Unser Ziel ist keine Nahrung, der aus Angst möglichst viele Baustoffe entzogen wurden.

Unser Ziel ist eine hochwertige, offen deklarierte und feuchte Ernährung, die dem Hund weiterhin das Material liefert, das sein Organismus benötigt. Der Phosphor wird passend zum Stadium über die Auswahl der Nahrung und einen Phosphatbinder gezielt kontrolliert.

Trockenfutter erfüllt unseren Anspruch an die Versorgung eines Nierenpatienten nicht. Ein niedriger Phosphorwert gleicht weder das fehlende Systemwasser noch eine stärkebetonte Zusammensetzung aus.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Steht „Nierendiät“ auf der Verpackung?

Die entscheidende Frage lautet: Was erhält dieser konkrete Hund aus diesem Futter – und reicht es aus, um ihn trotz seiner Niereninsuffizienz hochwertig zu versorgen?

Kann ich dir eine Frage beantworten?