Bei der Bewertung von Hundefutter reicht es nicht aus, die angegebenen Analysewerte einfach zu vergleichen. Entscheidend ist, worauf sich diese Werte beziehen und wie die Zusammensetzung deklariert ist. Erst durch korrektes Umrechnen und richtiges Lesen der Inhaltsstoffe werden Futtermittel wirklich vergleichbar.
Frischmasse (FS) und Trockensubstanz (TS)
Nassfutter heißt Nassfutter, weil es nass ist. Es enthält in der Regel 70–80% Wasser.Dadurch wirken die Protein- und Fettwerte auf den ersten Blick niedrig (vereinfacht gesagt: verwässert).
Trockenfutter enthält dagegen meist nur 7–10% Wasser.
Die Analysewerte sind dadurch deutlich konzentrierter, weil kaum Wasser enthalten ist.
Um Nass- und Trockenfutter sinnvoll vergleichen zu können, müssen beide auf dieselbe Basis gebracht werden: die Trockensubstanz (TS).
Warum wir mit 100% rechnen
Alle Angaben auf einem Futtermittel beziehen sich immer auf 100 % Gesamtfutter
(also auf 100g Futter im Napf).
Diese 100% bestehen aus:
- Wasser
- und allem, was kein Wasser ist (Protein, Fett, Mineralstoffe usw.)
Alles, was nicht Wasser ist, nennt man Trockensubstanz (TS).
Beispiel: Umrechnung von Nass- und Trockenfutter auf Trockensubstanz
Ausgangswerte – so stehen sie auf dem Etikett (Frischmasse):
- Trockenfutter: 25% Rohprotein, 10% Rohfett, 7% Wasser
- Nassfutter: 10% Rohprotein, 6% Rohfett, 75% Wasser
Schritt 1: Trockensubstanz berechnen
100% ist immer das gesamte Futter.
Wasser ist ein Teil davon.
Der Rest ist Trockensubstanz (TS).
- Trockenfutter: 100 − 7 = 93% TS
- Nassfutter: 100 − 75 = 25% TS
Schritt 2: Rohprotein auf Trockensubstanz umrechnen
Die Proteinangabe steht immer im gesamten Futter.
Wir rechnen jetzt aus, wie viel Protein im trockenen Anteil steckt.
- Trockenfutter: 25 ÷ 93 × 100 = 26,9% Rohprotein (TS)
- Nassfutter: 10 ÷ 25 × 100 = 40% Rohprotein (TS)
Schritt 3: Rohfett genauso umrechnen
- Trockenfutter: 10 ÷ 93 × 100 = 10,8% Rohfett (TS)
- Nassfutter: 6 ÷ 25 × 100 = 24% Rohfett (TS)
Ergebnis:
Auf dem Etikett wirkt Nassfutter oft harmlos.
Nach Umrechnung auf Trockensubstanz zeigt sich, dass es rechnerisch sehr nährstoffreich sein kann.
Wenn du dich grundsätzlich mit dem Thema Zusammensetzung beschäftigen möchtest,
lies dazu auch unseren Artikel „Deklarationen richtig lesen“.
Brühe, Kochsud und Wasser – warum das wichtig ist
Bei Nassfutter besteht ein Teil des Inhalts immer aus Flüssigkeit. Wenn Fleisch in einer Dose haltbar gemacht wird, wird es nicht trocken abgefüllt, sondern im eigenen Saft gegart. Dafür wird während der Herstellung Wasser benötigt, damit das Fleisch in der Dose schonend erhitzt und haltbar gemacht werden kann.
Genau an diesem Punkt entsteht oft ein Missverständnis. Viele Menschen lesen in der Deklaration das Wort „Brühe“ und denken sofort, es sei eine extra zugefügte Brühe – also so, als hätte man nachträglich Wasser mit irgendeiner fertigen Fleischbrühe oder sogar etwas Ähnlichem wie einen Brühwürfel dazugegeben. Genau das ist in der Regel nicht gemeint.
Tatsächlich wird bei der Herstellung zunächst Wasser eingesetzt, damit das Fleisch gegart werden kann. Beim Erhitzen treten dann aus dem Fleisch ganz natürlich Eiweißstoffe, Fette, Mineralstoffe und Fleischsäfte aus. Dadurch entsteht ein Kochsud, also die Flüssigkeit, die sich während des Garprozesses in der Dose bildet. Diese Flüssigkeit wird in der Deklaration häufig als „Brühe“ bezeichnet.
Das heißt: Es handelt sich meist nicht um eine separat angerührte Brühe im Küchensinn, sondern um Wasser plus die natürlichen Bestandteile, die beim Garen aus dem Fleisch austreten. Der Begriff klingt für Verbraucher oft irreführend, weil man unter Brühe im Alltag etwas anderes versteht.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass Flüssigkeit enthalten ist – die gehört bei Nassfutter ganz normal dazu. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Flüssigkeit deklariert wird und wie hoch ihr Anteil im Verhältnis zu den tierischen Bestandteilen ist.
Möglichkeit 1: Brühe oder Wasser wird separat angegeben
Beispiel:
- 75% Fleisch
- 25% Brühe
Ergebnis für den Vergleich:
Hier sind 75% Fleisch enthalten.
Möglichkeit 2: Brühe oder Wasser wird nicht separat angegeben
Beispiel:
- 75% Fleisch
Da Fleisch naturgemäß Wasser enthält, rechnen wir für eine grobe Einordnung mit etwa 20% Wasseranteil.
Ergebnis für den Vergleich:
75% − 20% ≈ 55% tatsächlicher Fleischanteil
Möglichkeit 3: Sehr hoher Fleischanteil, Brühe nicht ausgewiesen
Beispiel:
- 95% Fleisch
Ergebnis für den Vergleich:
95% − 25% ≈ 70% tatsächlicher Fleischanteil
Merksatz für Einsteiger
- 75% Fleisch + 25% Brühe → 75% Fleisch
- 75% Fleisch ohne Brühe → ca. 55% Fleisch
- 95% Fleisch ohne Brühe → ca. 75% Fleisch
Fazit:
Umrechnen und richtig lesen gehört zusammen.
Nur so lassen sich Nassfutter realistisch vergleichen.
Was die EU unter „Fleisch“ versteht
Im EU-Futtermittelrecht (nicht im Marketing!) gilt:
👉 „Fleisch“ darf als Zutat in Frischmasse angegeben werden
👉 inklusive des natürlichen Wasseranteils des Fleisches
Das heißt konkret:
Fleisch besteht biologisch zu ca. 70–75% aus Wasser.
Die EU verlangt keine Pflicht, diesen Wasseranteil separat als „Brühe“ oder „Wasser“ auszuweisen – Solange kein zusätzliches Wasser über das natürliche Maß hinaus zugesetzt wird, darf der Hersteller schlicht schreiben:
„75% Fleisch“
Der Wasseranteil steckt dann vollständig im Fleischanteil.
Für die ernährungsphysiologische Einordnung kann dieser Fleischanteil rechnerisch relativiert werden (z. B. auf etwa 55% tatsächlichen Fleischanteil, wenn man die ca. 20-30% Brühe abrechnet). Rechtlich gilt er jedoch vollständig als Fleischanteil.
Was bedeuten die restlichen Analysewerte?
Neben Rohprotein und Rohfett findest du auf jedem Etikett noch weitere Werte.
Diese sind wichtig – werden aber oft falsch verstanden, weil sie technisch klingen und selten erklärt werden.
Rohfaser – nicht einfach „Ballaststoffe“
Rohfaser beschreibt den unverdaulichen Anteil im Futter, vor allem pflanzliche Bestandteile.
Ein gewisser Anteil ist sinnvoll, weil er die Verdauung unterstützt.
Ist der Wert aber zu hoch, zeigt das oft:
- viel pflanzliches Füllmaterial
- geringere Verdaulichkeit
- weniger hochwertige tierische Bestandteile
Ein dauerhaft hoher Rohfaserwert ist kein Qualitätsmerkmal.
Rohasche – hat nichts mit „Asche im Futter“ zu tun
Der Begriff wirkt im ersten Moment abschreckend, ist aber rein technisch gemeint.
Rohasche ist das, was übrig bleibt, wenn das Futter im Labor vollständig verbrannt wird.
Das sind alle Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor, Magnesium und Spurenelemente.
Ein höherer Wert bedeutet:
- mehr Mineralstoffe insgesamt
- oft auch mehr Knochenanteil oder mineralische Zusätze
Zu hohe Rohaschewerte können den Körper belasten, weil überschüssige Mineralien verarbeitet und ausgeschieden werden müssen.
Kohlenhydrate – stehen nicht auf dem Etikett
Kohlenhydrate werden in der Regel nicht direkt angegeben.
Du kannst sie aber einfach selbst berechnen:
100% Gesamtfutter
minus Rohprotein
minus Rohfett
minus Rohfaser
minus Rohasche
minus Feuchtigkeit
= Kohlenhydrate
Das ist der Anteil, der als Rest übrig bleibt.
Gerade bei Trockenfutter ist dieser Wert oft deutlich höher, als viele erwarten.
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Viele Probleme beginnen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schleichend über die Ernährung.
Je besser du verstehst, was im Napf landet, desto klarer werden auch die Zusammenhänge im Körper.
Warum das wichtig ist
Wenn du nur auf den Proteingehalt schaust, übersiehst du schnell das Gesamtbild.
Ein Futter kann auf dem Papier gut aussehen, aber:
- viel Rohfaser → wenig verwertbar
- viel Rohasche → hohe mineralische Belastung
- hoher Rest → viele Kohlenhydrate
Erst im Zusammenspiel aller Werte ergibt sich ein realistisches Bild.
FAQ – Häufige Fragen zur Zusammensetzung von Hundefutter
Ist viel Rohprotein automatisch gut?
Nein. Rohprotein sagt nur aus, wie viel Eiweiß insgesamt enthalten ist – nicht, woher es kommt und wie gut es verwertet werden kann.
Ein hoher Wert kann aus hochwertigem Fleisch stammen – oder aus minderwertigen Quellen wie Bindegewebe oder pflanzlichen Proteinen.
Entscheidend ist immer die Qualität der Zutaten, nicht die Zahl allein.
Wie viel Rohprotein sollte ein gutes Futter haben?
Das hängt stark von der Futterart ab.
Trockenfutter wirkt durch den geringen Wasseranteil immer proteinreicher als Nassfutter. Deshalb sollte man Werte niemals direkt vergleichen, sondern immer auf Trockensubstanz umrechnen.
Erst dann wird sichtbar, wie viel Protein tatsächlich enthalten ist.
Ist ein hoher Rohaschewert schlecht?
Nicht automatisch – aber er sollte eingeordnet werden.
Rohasche steht für den Mineralstoffgehalt im Futter. Ein erhöhter Wert kann auf viele Knochenanteile oder mineralische Zusätze hinweisen.
Zu hohe Werte können den Organismus belasten, weil überschüssige Mineralien verarbeitet und ausgeschieden werden müssen.
Warum steht Rohasche überhaupt im Futter?
Rohasche ist keine zugesetzte „Asche“, sondern ein Laborwert.
Er zeigt, wie viele anorganische Bestandteile – also Mineralstoffe – im Futter enthalten sind.
Dieser Wert gehört zur gesetzlich vorgeschriebenen Analyse und hilft, die Zusammensetzung einzuordnen.
Was sagt Rohfaser wirklich aus?
Rohfaser beschreibt unverdauliche pflanzliche Bestandteile im Futter.
Ein kleiner Anteil ist sinnvoll für die Verdauung. Ein hoher Wert deutet jedoch oft auf viel pflanzliches Material hin, das der Hund nur begrenzt verwerten kann.
Warum stehen Kohlenhydrate nicht auf dem Etikett?
Kohlenhydrate werden in der klassischen Analyse nicht direkt angegeben.
Sie sind immer der Rest, der übrig bleibt, wenn man alle anderen Werte abzieht.
Gerade bei Trockenfutter ist dieser Anteil oft deutlich höher, als viele erwarten.
Kann ich gutes Futter an den Analysewerten erkennen?
Nur teilweise.
Die analytischen Bestandteile geben einen ersten Überblick, sagen aber nichts über die Qualität, Herkunft oder Verdaulichkeit der Zutaten aus.
Ein Futter kann rechnerisch gut aussehen – und trotzdem minderwertige Rohstoffe enthalten.
Was ist wichtiger: Zusammensetzung oder Analyse?
Die Zusammensetzung.
Die Analyse zeigt nur Zahlen. Die Zusammensetzung zeigt, woher diese Zahlen kommen.
Erst beides zusammen ergibt ein realistisches Bild.
Ist Nassfutter oder Trockenfutter besser?
Diese Frage wird häufig gestellt, lässt sich aber nicht allein über Analysewerte beantworten.
Durch den unterschiedlichen Wassergehalt wirken die Werte auf dem Papier völlig unterschiedlich.
Ein sinnvoller Vergleich ist nur über die Trockensubstanz möglich.
Warum sehen viele Futtersorten auf dem Papier gut aus?
Weil Zahlen allein nicht die ganze Wahrheit zeigen.
Analysewerte lassen sich relativ leicht „gestalten“, zum Beispiel durch unterschiedliche Rohstoffe oder Wasseranteile.
Erst durch Umrechnen und genaues Lesen der Deklaration wird sichtbar, was wirklich im Napf landet.