Eine neue Übersichtsarbeit wird derzeit mit einer eingängigen Botschaft verbreitet: Veganes Hunde- und Katzenfutter sei gut verdaulich und mit herkömmlichem fleischhaltigem Futter vergleichbar. Grundlage ist eine im Mai 2026 veröffentlichte Arbeit, in der 31 frühere Studien ausgewertet wurden.
Das klingt zunächst nach einer umfassenden Bestätigung veganer Tierernährung. Doch beim genauen Lesen zeigt sich: Die Untersuchung beantwortet eine sehr viel kleinere Frage. Sie prüft vor allem, ob bestimmte vegane oder vegetarische Futtermittel und pflanzliche Proteinquellen verdaut werden können. Sie untersucht nicht, ob ein Hund oder eine Katze mit einer rein pflanzlichen Ernährung langfristig gesund bleibt.
Gut verdaulich bedeutet deshalb nicht automatisch vollständig versorgt, artgerecht ernährt oder langfristig gesund.
Inhaltsverzeichnis
- Was behauptet die neue Studie?
- Was wurde tatsächlich untersucht?
- Warum 31 Studien nicht 31 Langzeitstudien bedeuten
- Was bedeutet Verdaulichkeit überhaupt?
- Was die Untersuchung nicht beantworten kann
- Warum Hunde und Katzen getrennt betrachtet werden müssen
- Welche Rolle die Verarbeitung spielt
- Ist ein veganes Alleinfuttermittel automatisch bedarfsgerecht?
- Was Hunde- und Katzenhalter auf dem Etikett prüfen sollten
- Fazit: Gut verdaulich ist nicht gleich gesund
- Häufige Fragen
- Quellen
Was behauptet die neue Studie über veganes Hunde- und Katzenfutter?
Die Arbeit trägt den Titel „The Digestibility of Vegan and Vegetarian Diets for Dogs and Cats“. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass moderne vegane und vegetarische Rationen sowie ihre wichtigsten Proteinquellen von Hunden und Katzen im Allgemeinen gut verdaut würden. Die gemessenen Werte seien insgesamt hoch und häufig mit denen fleischhaltiger Futtermittel vergleichbar.
Diese Aussage ist innerhalb der untersuchten Fragestellung zunächst korrekt: Aufbereitete pflanzliche Proteine, Stärke und Fett können von Hunden und in gewissem Umfang auch von Katzen aufgenommen werden. Das ist jedoch nicht dasselbe wie der Nachweis einer optimalen oder langfristig gesund erhaltenden Ernährung.
Die passende Übersetzung der Studienergebnisse müsste daher lauten:
Bestimmte verarbeitete pflanzliche Proteinquellen und einige entsprechend formulierte vegane oder vegetarische Rationen zeigten in den ausgewerteten Untersuchungen eine überwiegend hohe Verdaulichkeit.
Die wesentlich weiter gehende Aussage „Veganes Futter ist für Hunde und Katzen gesund“ lässt sich daraus nicht ableiten.
Was wurde tatsächlich untersucht?
Insgesamt nahm der Autor 31 Veröffentlichungen auf:
- 22 bezogen sich auf Hunde,
- zwei ausschließlich auf Katzen,
- sieben wurden als auf beide Tierarten übertragbar eingeordnet.
Schon diese Verteilung zeigt, wie dünn die spezifische Datenlage für Katzen ist.
Noch wichtiger ist die Art der untersuchten Arbeiten: Nur sieben der 31 Studien befassten sich mit kompletten veganen oder vegetarischen Rationen. Vier untersuchten vegane und drei vegetarische Futtermittel. Der weitaus größere Teil der ausgewerteten Literatur betrachtete einzelne Proteinquellen oder Zutaten, beispielsweise Soja, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Reisprotein, Weizengluten oder mikrobiell erzeugte Proteine.
Die Verdaulichkeit einer einzelnen Proteinquelle ist jedoch nicht mit der langfristigen Eignung einer vollständigen Tagesration gleichzusetzen.
Kurz gesagt: Es wurden nicht 31 vegane Alleinfuttermittel geprüft. Nur sieben Studien beschäftigten sich mit vollständigen veganen oder vegetarischen Rationen. Der überwiegende Teil untersuchte lediglich einzelne pflanzliche Proteinquellen oder Zutaten.
Warum 31 Studien nicht 31 Langzeitstudien bedeuten
Die Zahl 31 vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck einer breiten und langjährigen Absicherung. Tatsächlich unterschieden sich die einbezogenen Untersuchungen erheblich:
- In einer Studie fraßen sechs Beagle zwölf Tage lang die geprüften Rationen.
- Eine andere Untersuchung arbeitete mit zwölf Beagle.
- Die Verdaulichkeit von Aminosäuren wurde teilweise an Hähnen ermittelt, denen zuvor die Blinddärme operativ entfernt worden waren. Dieses Modell wird in der Futtermittelforschung verwendet, ist aber keine Langzeitfütterung am Hund.
- Einige Ergebnisse stammten aus Laborversuchen, bei denen die Verdauung lediglich künstlich nachgebildet wurde.
- Die größere alltagsnahe Untersuchung umfasste 61 gesunde erwachsene Hunde und lief zwölf Wochen.
Die Arbeit selbst weist darauf hin, dass sich die meisten Untersuchungen auf gesunde, ausgewachsene Tiere in der Erhaltungsfütterung bezogen. Welpen, Kitten, Senioren sowie Hunde und Katzen mit eingeschränkter Verdauung oder chronischen Erkrankungen wurden nicht ausreichend untersucht.
Es handelt sich außerdem nach ausdrücklicher Aussage des Autors nicht um eine systematische Übersichtsarbeit. Die Studien wurden zwar nach beschriebenen Kriterien gesucht und ausgewählt, aber die strengeren Anforderungen eines systematischen Reviews wurden nicht erfüllt.
Was bedeutet Verdaulichkeit überhaupt?
Verdaulichkeit beschreibt vereinfacht, welcher Anteil eines aufgenommenen Nährstoffs nicht wieder mit dem Kot ausgeschieden wird. Untersucht werden können beispielsweise:
- Rohprotein,
- einzelne Aminosäuren,
- Fett,
- Stärke und andere lösliche Kohlenhydrate,
- Trockenmasse,
- Energie.
Eine hohe Verdaulichkeit sagt damit zunächst: Ein großer Anteil des gemessenen Stoffes wurde im Verdauungstrakt aufgenommen oder umgesetzt.
Sie sagt nicht automatisch:
- dass alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthalten sind,
- dass die Aminosäuren im richtigen Verhältnis vorliegen,
- dass Vitamine und Mineralstoffe ausreichend verfügbar sind,
- dass die Nahrung zum Stoffwechsel der Tierart passt,
- dass das Futter den Darm langfristig unterstützt,
- dass Nieren, Leber, Herz und Muskulatur dauerhaft optimal versorgt werden,
- dass ein Tier mit dieser Ernährung gesund altert.
Auch leicht aufnehmbare Stärke oder Zucker sind gut verdaulich. Daraus folgt nicht, dass eine stärkereiche Ration automatisch die beste Ernährung für einen Hund oder eine Katze ist. Verdaulichkeit ist ein wichtiger Baustein der Futterbewertung – aber eben nur ein Baustein.
Kurz gesagt: Verdaulichkeit zeigt, wie viel von einem untersuchten Stoff aufgenommen wird. Sie beweist weder eine vollständige Nährstoffversorgung noch eine langfristig gesund erhaltende oder artgerechte Ernährung.
Was die Studie ausdrücklich nicht untersucht hat
Die Autoren der aktuellen Arbeit benennen wesentliche Einschränkungen selbst. Nicht untersucht wurde die Verdaulichkeit zahlreicher Mikronährstoffe. Dazu gehören ausgerechnet Stoffe, die in tierischen Quellen natürlicherweise reichlich vorkommen oder für Katzen besonders bedeutsam sind, beispielsweise:
- bestimmte B-Vitamine,
- Taurin,
- Cholin,
- Betain.
Auch die langfristige gesundheitliche Entwicklung war nicht Gegenstand dieser Übersichtsarbeit. Sie liefert keine belastbare Antwort auf Fragen wie:
- Wie entwickeln sich Herz, Augen und Nervensystem über viele Jahre?
- Bleiben Muskulatur, Haut und Fell dauerhaft stabil?
- Wie wirkt sich die Fütterung auf Fruchtbarkeit, Wachstum und Alterungsprozesse aus?
- Welche Folgen zeigen sich bei kranken Tieren oder eingeschränkter Resorptionsfähigkeit?
- Wie zuverlässig bleiben zugesetzte Nährstoffe während Herstellung und Lagerung verfügbar?
Die Arbeit hält selbst fest, dass Proteinverdaulichkeit allein keine Aussage über die ernährungsphysiologische Vollständigkeit erlaubt. Vitamine, Mineralstoffe und weitere Nährstoffe müssten unabhängig davon bewertet werden. Ebenso seien antinutritive Pflanzenstoffe wie Trypsininhibitoren, Phytate und Lektine gesondert zu berücksichtigen.
Hund und Katze dürfen nicht in einen Topf geworfen werden
Der Hund kann pflanzliche Bestandteile verwerten
Hunde können aufbereitete Stärke und verschiedene pflanzliche Proteine verdauen. Das ist keine neue Erkenntnis. Im Laufe der Domestikation hat sich ihre Fähigkeit zur Stärkeverwertung gegenüber dem Wolf verändert.
Aus dieser Anpassungsfähigkeit folgt jedoch nicht, dass der vollständige Austausch tierischer Bestandteile einen gesundheitlichen Vorteil bringt. Die Frage „Kann der Hund das verdauen?“ ist nicht identisch mit der Frage „Ist dies für den Hund die bestmögliche und natürlichste Nährstoffquelle?“
Ein gesunder erwachsener Hund kann mit einer sorgfältig berechneten, technisch aufbereiteten und ergänzten Ration möglicherweise eine Zeit lang unauffällig bleiben. Ob eine solche Ernährung einer hochwertigen, offen deklarierten Nahrung mit tierischen Protein- und Fettquellen langfristig gleichwertig oder sogar überlegen ist, beweist diese Studie nicht.
Die Katze ist ein obligater Fleischfresser
Bei der Katze ist besondere Vorsicht geboten. Sie ist kein kleiner Hund, sondern ein obligater Fleischfresser mit eigenen Stoffwechselmerkmalen. Katzen haben unter anderem:
- einen hohen Proteinbedarf,
- einen dauerhaft hohen Aminosäureabbau,
- eine kontinuierliche Neubildung von Glukose aus Aminosäuren,
- einen zwingenden Bedarf an Taurin,
- besondere Anforderungen an vorgebildetes Vitamin A und Arachidonsäure.
Dass eine Katze einen gewissen Anteil Soja, Reisprotein oder Hülsenfrüchte verdauen kann, hebt diese biologischen Besonderheiten nicht auf. Ein obligater Fleischfresser ist nicht dadurch definiert, dass jede pflanzliche Zutat unverdaut ausgeschieden werden muss. Entscheidend ist, aus welchen natürlichen Quellen sein Organismus die benötigten Nährstoffe normalerweise erhält und wie zuverlässig eine vollständig pflanzliche Konstruktion diese Versorgung dauerhaft nachbilden kann.
Gerade hier ist die viel zitierte Zahl von 31 Studien irreführend: Nur zwei der ausgewerteten Arbeiten waren ausschließlich katzenspezifisch. Die Übersichtsarbeit selbst fordert deshalb ausdrücklich weitere Forschung an Katzen und unter realen häuslichen Bedingungen.
Welche Rolle spielt die starke Verarbeitung?
Pflanzliche Rohstoffe werden nicht allein dadurch hoch verdaulich, dass man sie in einen Napf füllt. Häufig werden sie gemahlen, erhitzt, extrudiert, fermentiert, isoliert oder anderweitig technisch aufgeschlossen.
Diese Verarbeitung kann antinutritive Faktoren reduzieren und die gemessene Verdaulichkeit erhöhen. Gleichzeitig kann starke Hitze neue Probleme schaffen. Die Studie nennt selbst die Maillard-Reaktion: Dabei reagieren Zucker und Aminosäuren miteinander. Insbesondere Lysin kann dadurch schlechter verfügbar werden.
Die Verarbeitung wirkt somit in beide Richtungen:
- Sie kann pflanzliche Bestandteile erst ausreichend aufschließen.
- Sie kann empfindliche Nährstoffe schädigen oder ihre Verfügbarkeit verändern.
Eine hohe Verdaulichkeitszahl ist deshalb auch ein Ergebnis der verwendeten Rohstoffaufbereitung. Sie beweist nicht, dass die ursprüngliche Zutat ohne diese Verarbeitung eine passende Nahrung wäre.
Kurz gesagt: Dass eine Katze einzelne pflanzliche Bestandteile verdauen kann, macht sie nicht zum Allesfresser. Ihr Stoffwechsel und ihr besonderer Nährstoffbedarf bleiben auf tierische Nahrung ausgerichtet.
Ist ein veganes Alleinfuttermittel automatisch bedarfsgerecht?
Der Begriff „Alleinfuttermittel“ ist zunächst eine futtermittelrechtliche Einordnung. Er besagt, dass das Produkt laut seiner Zusammensetzung für die tägliche Versorgung der angegebenen Tierart und Lebensphase vorgesehen ist. Er ist jedoch kein automatisches Qualitätssiegel für Natürlichkeit, Rohstoffgüte, individuelle Verträglichkeit oder eine über viele Jahre nachgewiesene gesundheitliche Wirkung.
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit aus dem Juli 2026 untersuchte 54 Studien zu den analysierten Nährstoffgehalten kommerzieller Tierfutter. In 44 dieser 54 Studien wurden bei den jeweils untersuchten Produkten Abweichungen von anerkannten Nährstoffempfehlungen gefunden – und zwar bei fleischhaltigen ebenso wie bei veganen Futtermitteln. Häufig betroffen waren unter anderem Calcium, Phosphor und Zink; bei Katzenfutter spielte auch Taurin eine Rolle. Bei veganen Produkten fielen in einigen Untersuchungen bestimmte B-Vitamine auf.
Das bedeutet nicht, dass jedes Fertigfutter mangelhaft ist. Es zeigt aber, dass die Deklaration oder die Bezeichnung „Alleinfuttermittel“ eine sorgfältige Prüfung des tatsächlichen Produkts nicht ersetzt. Diese Kritik gilt für pflanzliche wie für fleischhaltige Nahrung.
Bei einem vollständig veganen Futter kommt hinzu, dass Nährstoffe, die normalerweise über tierische Bestandteile geliefert werden, gezielt ergänzt oder technisch bereitgestellt werden müssen. Entscheidend sind daher nicht nur rechnerische Mindestwerte, sondern auch Rohstoffherkunft, Verarbeitung, Chargenkontrollen, tatsächliche Nährstoffgehalte und Bioverfügbarkeit.
Kurz gesagt: Die Bezeichnung „Alleinfuttermittel“ ist eine rechtliche Einordnung – kein Beweis für hochwertige Rohstoffe, natürliche Nährstoffquellen, tatsächliche Bioverfügbarkeit oder langfristige Gesundheit.
Was sollten Hunde- und Katzenhalter auf dem Etikett prüfen?
Unabhängig von der gewählten Fütterungsform lohnt sich ein genauer Blick auf die Deklaration:
- Sind alle Zutaten offen benannt? Sammelbegriffe verschleiern, welche Rohstoffe tatsächlich enthalten sind.
- Wie hoch ist der Anteil der einzelnen Proteinquellen? Die Angabe „Protein“ sagt noch nichts über Herkunft, Aminosäuremuster und Verarbeitung.
- Welche Nährstoffe wurden zugesetzt? Bei veganen Produkten sind insbesondere Taurin, Methionin, B-Vitamine, Vitamin A, Vitamin D und Fettsäuren relevant.
- Gibt es aktuelle unabhängige Laboranalysen? Rechnerische Rezepturen und tatsächliche Gehalte sind nicht immer identisch.
- Wurden Fütterungsversuche durchgeführt? Entscheidend sind Dauer, Tierzahl, Tierart, Alter und Gesundheitszustand.
- Wie wurde das Futter verarbeitet? Extrusion, hohe Temperaturen und lange Lagerung können die Nährstoffverfügbarkeit beeinflussen.
- Passt das Produkt zum individuellen Tier? Ein gesunder erwachsener Hund ist nicht mit einem Welpen, Senior, einer kranken Katze oder einem Tier mit Darm-, Leber-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsenproblemen gleichzusetzen.
Kurzer Exkurs: Ergänzungsfuttermittel bedeutet nicht unvollständig
Die Begriffe „Alleinfuttermittel“ und „Ergänzungsfuttermittel“ werden häufig fälschlicherweise als Qualitätsstufen verstanden. Dadurch entsteht der Eindruck, ein Alleinfuttermittel sei automatisch vollständig und hochwertig, während einem Ergänzungsfuttermittel grundsätzlich etwas fehlen müsse. Das ist so nicht richtig.
Ein hochwertiges Naturfuttermittel besteht aus natürlichen Zutaten. Fleisch, Innereien und andere natürliche Bestandteile liefern ihre Nährstoffe in einem natürlichen Verbund. Diese Nährstoffgehalte sind jedoch nicht in jeder einzelnen Zutat und in jeder Charge auf die Nachkommastelle identisch. Ein Stück Fleisch ist schließlich kein genormtes Laborprodukt. Seine Zusammensetzung unterliegt natürlichen Schwankungen.
Bei vielen als Alleinfuttermittel bezeichneten Produkten werden die vorgegebenen Nährstoffwerte deshalb durch isolierte Vitamine, Mineralstoffe und weitere Zusätze auf gleichbleibende rechnerische Werte eingestellt. Das erleichtert die standardisierte Deklaration, macht die verwendeten Zutaten aber nicht automatisch natürlicher, hochwertiger oder besser verwertbar.
Fazit: Gut verdaulich ist nicht gleich gesund
Die neue Studie von 2026 zeigt, dass Hunde und in begrenztem Umfang auch Katzen verschiedene technisch aufbereitete pflanzliche Proteinquellen verdauen können. Sie zeigt außerdem, dass einige untersuchte vegane und vegetarische Rationen bei gesunden erwachsenen Hunden hohe Verdaulichkeitswerte erreichten.
Sie beweist nicht,
- dass veganes Futter artgerecht ist,
- dass es natürlicher tierischer Nahrung gleichwertig ist,
- dass Hunde und Katzen damit langfristig gesund bleiben,
- dass die Versorgung mit allen Mikronährstoffen gesichert ist,
- dass die Ergebnisse auf Jungtiere, Senioren oder kranke Tiere übertragbar sind.
Vor allem für Katzen ist die Datenlage viel zu schmal, um aus dieser Arbeit eine allgemeine Empfehlung für vegane Ernährung abzuleiten.
Die faire Zusammenfassung lautet daher nicht „Veganes Hunde- und Katzenfutter ist wissenschaftlich als gesund bestätigt“, sondern:
Bestimmte vegane Futtermittel und pflanzliche Proteinquellen können gut verdaulich sein. Ob eine ausschließlich pflanzliche Ernährung Hunde und insbesondere Katzen über das gesamte Leben optimal versorgt, beantwortet diese Studie nicht.
Eine Tierernährung sollte sich nicht allein daran messen lassen, was der Verdauungstrakt irgendwie verarbeiten kann. Entscheidend ist, was den Organismus als Ganzes dauerhaft, zuverlässig und möglichst naturgerecht versorgt.
Häufige Fragen
Können Hunde veganes Futter verdauen?
Hunde können aufbereitete pflanzliche Proteine und Stärke grundsätzlich verdauen. Ob eine vollständig vegane Ration langfristig optimal und für den individuellen Hund geeignet ist, lässt sich allein aus der Verdaulichkeit jedoch nicht ableiten.
Können Katzen vegan ernährt werden?
Eine vegane Katzenration muss zahlreiche Nährstoffe gezielt ergänzen, die Katzen natürlicherweise aus tierischer Nahrung beziehen. Dazu gehören unter anderem Taurin, vorgebildetes Vitamin A, Arachidonsäure und bestimmte B-Vitamine. Die aktuelle Übersichtsarbeit liefert wegen der geringen Zahl katzenspezifischer Untersuchungen keinen ausreichenden Nachweis für eine langfristig sichere allgemeine Empfehlung.
Beweist die Studie, dass veganes Tierfutter gesund ist?
Nein. Untersucht wurde vor allem die Verdaulichkeit von Makronährstoffen, Aminosäuren und einzelnen Proteinquellen. Langfristige Gesundheit, Lebensdauer sowie die ausreichende Versorgung und Verfügbarkeit wichtiger Mikronährstoffe waren nicht Gegenstand der Arbeit.
Ist ein gut verdauliches Futter automatisch hochwertig?
Nein. Verdaulichkeit ist nur eines von mehreren Qualitätsmerkmalen. Ebenso wichtig sind Nährstoffvollständigkeit, Aminosäuremuster, Rohstoffqualität, Verarbeitung, Bioverfügbarkeit, individuelle Verträglichkeit und langfristige gesundheitliche Auswirkungen.
Wurden tatsächlich 31 vegane Alleinfuttermittel untersucht?
Nein. Die Zahl 31 bezieht sich auf sämtliche in die Übersichtsarbeit aufgenommenen Veröffentlichungen. Nur sieben Studien untersuchten vollständige vegane oder vegetarische Rationen. Davon befassten sich vier mit veganen und drei mit vegetarischen Futtermitteln. Der größere Teil der ausgewerteten Arbeiten untersuchte einzelne pflanzliche Proteinquellen oder Zutaten wie Soja, Erbsen, Linsen, Reisprotein oder Weizengluten.
Wie lange wurden die Tiere mit dem Futter ernährt?
Die Untersuchungsdauer war sehr unterschiedlich und häufig kurz. In einer Studie wurden sechs Beagle zwölf Tage lang mit den geprüften Rationen gefüttert. Die größere Untersuchung unter häuslichen Bedingungen umfasste 61 gesunde erwachsene Hunde und dauerte zwölf Wochen. Andere Ergebnisse stammten aus Laborversuchen oder wurden mithilfe anderer Tiermodelle ermittelt. Langjährige Fütterungsstudien über einen erheblichen Teil des Lebens von Hunden oder Katzen waren nicht Bestandteil dieser Übersichtsarbeit.
Handelt es sich um eine systematische Übersichtsarbeit?
Nein. Der Autor weist in der Veröffentlichung selbst darauf hin, dass es sich nicht um ein systematisches Review handelt. Die Studien wurden zwar anhand beschriebener Such- und Auswahlkriterien zusammengestellt, die strengeren methodischen Anforderungen einer systematischen Übersichtsarbeit wurden jedoch nicht erfüllt.
Wer hat die Studie finanziert?
Nach den Angaben in der Veröffentlichung erhielt die Übersichtsarbeit keine externe Finanzierung. Der Autor erklärte außerdem, dass keine Interessenkonflikte bestünden. Als eine seiner institutionellen Zugehörigkeiten wird allerdings die Sustainable Pet Food Foundation genannt. Diese Angabe beweist für sich genommen keine Beeinflussung der Ergebnisse, gehört für eine transparente Einordnung der Veröffentlichung aber dazu.
Quellen
- Knight, A. (2026): The Digestibility of Vegan and Vegetarian Diets for Dogs and Cats. Animals, 16, 1454.
- Mace, J. L., Nicholles, B. & Knight, A. (2026): How Nutritionally Sound Is Commercially Available Vegan Pet Food Relative to Meat-Based Pet Food? A Systematic Review. Animals, 16, 2232.
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals.
- Axelsson, E. et al. (2013): The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature, 495, 360–364.