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Warum diese Frage so oft falsch verstanden wird

Viele Hundehalter sagen irgendwann einen dieser Sätze:
„Mein Hund trinkt kaum.“
„Mein Welpe säuft fast nichts.“

Diese Aussagen führen oft zu Unsicherheit – und gleichzeitig zu völlig falschen Schlussfolgerungen. Denn wenig trinken ist weder automatisch gesund noch automatisch problematisch. Allein aus der Trinkmenge lässt sich keine Aussage über Gesundheit oder Krankheit treffen.

Der entscheidende Punkt ist ein ganz anderer:
Woher bekommt der Körper sein Wasser?

Warum die Trinkmenge allein nichts aussagt

Hunde und Katzen sind biologisch darauf ausgelegt, den größten Teil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung aufzunehmen. Das Trinken aus dem Napf ist ursprünglich nur eine Ergänzung.

Ein Tier kann wenig trinken und gut versorgt sein. Ein Tier kann wenig trinken und trotzdem unter Wassermangel leiden. Von außen sieht beides gleich aus – im Körper passiert jedoch etwas völlig anderes.

Strukturwasser und freies Trinkwasser – der entscheidende Unterschied

Um das Thema zu verstehen, muss man zwei Formen von Wasser unterscheiden:

Strukturwasser ist Wasser, das natürlich in der Nahrung gebunden ist – zum Beispiel in Fleisch, Organen oder hochwertigem Nassfutter. Dieses Wasser ist Teil der Zellstruktur und steht dem Körper sofort zur Verfügung.

Freies Trinkwasser wird separat über den Napf aufgenommen. Es ist nicht in die Nahrung eingebettet und muss vom Körper erst aufgenommen und in den Stoffwechsel eingebaut werden.

Biologisch vorgesehen ist Strukturwasser.
Trinken ist nur eine Ergänzung – kein Ersatz.

Wann wenig Trinken völlig normal ist

Wird ein Hund oder Welpe mit Nassfutter, Frischfleisch oder BARF gefüttert, enthält seine Nahrung in der Regel 70–80 % Wasser.

In diesem Fall ist wenig Trinken völlig normal. Der Hund geht vielleicht nach dem Fressen kurz zum Napf – so wie wir Menschen nach dem Essen ein Glas Wasser trinken.

Wenig Trinken ist hier kein Warnsignal, sondern Ausdruck einer funktionierenden Versorgung über die Nahrung.

Wann wenig Trinken tückisch wird

Ganz anders sieht es aus, wenn ein Hund oder Welpe mit Trockenfutter ernährt wird.
Trockenfutter heißt Trockenfutter, weil es trocken ist – der Feuchtigkeitsgehalt liegt meist bei nur 6–10 %. Zudem ist es im Extruder unter hohem mechanischem Druck und Hitze hergestellt, dabei stark verdichtet und an der Oberfläche versiegelt – ähnlich wie Beton oder Asphalt.

Das biologisch vorgesehene Strukturwasser fehlt nahezu vollständig. Der Körper muss Wasser separat aufnehmen und fehlende Feuchtigkeit ausgleichen.

Gerade Welpen können das lange kompensieren. Wenig Trinken ist hier kein gutes Zeichen, sondern ein stiller Notmechanismus.

Warum Einweichen von Trockenfutter nicht reicht

Eingeweichtes Trockenfutter bleibt eine verarbeitete Trockensubstanz mit zugesetztem Wasser. Das Wasser ist nicht natürlich gebunden, sondern liegt außen an. siehe auch mein Hundefuttertest.

Ein Stück Fleisch enthält Wasser in seiner Struktur. Eingeweichtes Trockenfutter enthält Wasser auf der Oberfläche. Der Körper erkennt diesen Unterschied.

BARF: frisch oder gefroren

Frisches Fleisch ist ideal, aber nicht immer verfügbar. Gefrorenes BARF ist eine alltagstaugliche Alternative. Beim Einfrieren geht kaum Wasser verloren. Wichtig ist langsames Auftauen, nicht kochen und nicht austrocknen lassen.

Insekten-, vegetarisches und veganes Futter

Unabhängig davon, woraus ein Futter besteht, gilt: Wo kein natürlich gebundenes Wasser enthalten ist, fehlt die biologische Grundlage.

Viele dieser Futtermittel sind stark getrocknet und wasserarm. Der Körper muss kompensieren – nicht, weil es gut ist, sondern weil er es kann.

Mehr zu diesem Thema findest du hier:
Insektenfutter für Hunde – Trend mit Haken

Warum viele Näpfe kein Zeichen von Gesundheit sind

Mehrere Näpfe, Trinkbrunnen oder Trinkanimation sind kein Zeichen optimaler Versorgung. Sie zeigen meist, dass Wasser über die Nahrung fehlt.

Bei feuchter, artgerechter Fütterung reicht ein Napf mit frischem Wasser vollkommen aus.

Warum Trockenfutter funktioniert

Hunde und Katzen besitzen eine enorme Fähigkeit zur Kompensation. Genau diese Fähigkeit macht den heutigen Futtermittelmarkt überhaupt möglich.

Andere Tierarten reagieren sofort auf falsche Fütterung. Nur Hund und Katze halten jahrelang durch – nicht, weil es passt, sondern weil sie belastbar sind.

Warum Biologie dabei nicht verhandelbar ist, haben wir hier ausführlich erklärt:
Artgerechte Hundeernährung – warum Biologie nicht verhandelbar ist

Die dauerhafte Belastung bestimmter Organe – insbesondere durch Stärke – betrifft vor allem die Bauchspeicheldrüse.
Mehr dazu findest du hier:
Bauchspeicheldrüsenprobleme bei Hund und Katze

Der Benzin–Diesel-Vergleich

Ein Benzinmotor kann kurzfristig mit Diesel laufen. Er fährt noch – aber er läuft unrund, lagert Rückstände ab und nimmt Schaden.

Dass er funktioniert, beweist nicht richtige Versorgung, sondern Kompensation. Genauso ist es beim Körper.

Fazit

Wenig trinken ist kein Maßstab für Gesundheit – aber auch kein Beweis für Unbedenklichkeit.

Entscheidend ist, ob Wasser über die Nahrung in natürlicher Form aufgenommen wird oder ob der Körper gezwungen ist, dauerhaft zu kompensieren.

Kompensation ist keine Versorgung.
Überleben ist kein Maßstab für Gesundheit.

FAQ – die 10 häufigsten Fragen

Wie viel sollte ein Hund pro Tag trinken?

Eine pauschale Zahl ist nur ein grober Richtwert, weil sie stark davon abhängt, wie gefüttert wird, wie aktiv der Hund ist und ob es warm ist. Oft liest man Werte wie „50 ml pro Kilogramm Körpergewicht“.
Das kann bei reiner Trockenfütterung sogar hinkommen – bei Nassfutter oder BARF ist es häufig deutlich weniger, weil der Hund einen großen Teil des Wassers bereits über das Strukturwasser im Futter aufnimmt. Wichtiger als eine Zahl ist deshalb die Frage: Woher kommt das Wasser?

Mein Hund trinkt wenig – wann muss ich mir wirklich Sorgen machen?

Sorgen machen solltest du dir nicht bei „wenig trinken“ an sich, sondern wenn es plötzlich anders wird:
zum Beispiel, wenn dein Hund deutlich weniger frisst, apathisch wirkt, Fieber hat, Durchfall/Erbrechen bekommt, oder wenn er sehr lange gar nicht trinkt und gleichzeitig Trockenfutter bekommt.
Dann gehört das abgeklärt. Für die langfristige Einordnung gilt aber:
Wenig trinken kann normal sein (bei feuchter Fütterung) oder tückisch (bei Trockenfutter).

Mein Welpe trinkt kaum Wasser – ist das normal?

Das hängt komplett davon ab, womit du fütterst. Bei hochwertigem Nassfutter oder frischer Fütterung ist es ganz normal, dass ein Welpe wenig trinkt, weil er über das Futter bereits viel Wasser bekommt.
Bei Trockenfutter ist es anders: Welpen können lange kompensieren, ohne viel zu trinken. Genau deshalb ist „er trinkt kaum“ bei Trockenfutter kein Entwarnungszeichen, sondern kann bedeuten, dass der Körper still ausgleichen muss.

Ist es nicht gut, wenn mein Hund wenig trinkt?

Nicht automatisch. „Wenig trinken“ ist weder gut noch schlecht, solange du nicht weißt, wie die Wasserversorgung aussieht. Ein Hund, der feucht gefüttert wird, kann wenig trinken und trotzdem optimal versorgt sein.

Ein Hund, der trocken gefüttert wird, kann wenig trinken und trotzdem zu wenig Wasser im System haben – weil er kompensiert. Die Trinkmenge allein ist kein Beweis für Gesundheit.

Hilft es, Trockenfutter einzuweichen?

Einweichen kann oberflächlich helfen, es leichter zu fressen oder den Magen zu entlasten – aber es ersetzt kein Strukturwasser. Denn eingeweichtes Trockenfutter bleibt eine verarbeitete Trockensubstanz (im Extruder unter hohem mechanischem Druck und Hitze hergestellt, dabei stark verdichtet und an der Oberfläche versiegelt – ähnlich wie Beton oder Asphalt), der Wasser zugesetzt wurde. Das Wasser ist nicht natürlich in der Nahrung gebunden. Der Körper muss es weiterhin anders verarbeiten, als wenn es aus Fleisch oder Nassfutter stammt. Einweichen ist daher nicht dasselbe wie feuchte Fütterung.

Warum trinken Trockenfutterhunde oft später plötzlich viel?

Weil der Körper anfangs still kompensiert. Gerade junge Hunde ziehen fehlende Feuchtigkeit aus Gewebe und Stoffwechsel, ohne dass sofort ein starkes Durstsignal entsteht. Mit der Zeit lässt diese Kompensationsfähigkeit nach.

Dann beginnt der Organismus, deutlicher „nachzufordern“ – und der Hund wirkt plötzlich wie ein „Loch“. Das ist kein Zeichen, dass Trockenfutter „doch okay“ war, sondern oft ein Zeichen dafür, dass die Reserven kleiner werden.

Ich habe mehrere Näpfe und einen Trinkbrunnen – ist das sinnvoll?

Mehrere Näpfe und Trinkbrunnen können helfen, wenn ein Tier ungern trinkt oder wenn Trockenfütterung den Körper zum Trinken zwingt. Aber man sollte ehrlich bleiben: Das ist oft Symptommanagement.
Wenn die Nahrung selbst ausreichend Wasser liefert, braucht es normalerweise keine Trinkstrategie mit sieben Stationen. Ein frischer Napf reicht – der Hund trinkt dann eher ergänzend, so wie wir nach dem Essen.

Was ist besser: Nassfutter oder BARF – in Bezug auf Wasser?

In Bezug auf Wasser sind beide deutlich näher an der Biologie als Trockenfutter, weil sie Strukturwasser enthalten. BARF bringt natürlicherweise viel Feuchtigkeit mit. Hochwertiges Nassfutter ebenfalls. Wichtig ist weniger das Etikett, sondern ob die Nahrung wirklich feucht ist und ob die Zusammensetzung passt. Beim Wasserhaushalt gilt: feuchte Nahrung entlastet, trockene Nahrung zwingt zur Kompensation.

Macht es einen Unterschied, ob BARF frisch oder gefroren ist?

Gefrorenes BARF ist in der Praxis eine sehr sinnvolle Lösung. Beim Einfrieren geht kaum Wasser verloren. Entscheidend ist eher der Umgang: langsam auftauen, nicht austrocknen lassen und nicht „totkochen“. Frisch ist ideal, aber nicht immer alltagstauglich. Vom Wassergehalt her bleibt BARF – auch gefroren – deutlich näher an natürlicher Nahrung als jede Trockenform.

Warum sind vegane, vegetarische oder Insekten-Futter oft kritisch – auch beim Wasser?

Viele dieser Futtermittel sind stark verarbeitet, trocken und wasserarm. Unabhängig davon, wie man inhaltlich dazu steht, gilt beim Wasserhaushalt: Wenn Strukturwasser fehlt, muss der Körper kompensieren. Und je trockener und stärker verarbeitet ein Futter ist, desto mehr wird Trinkwasser zur Pflicht und desto mehr Arbeit entsteht im System. Wenn dann zusätzlich eine von der Natur abweichende Nahrungsstruktur dazukommt, wird es nicht leichter, sondern oft schwieriger.

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