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Viele Hunde- und Katzenhalter erschrecken sofort, wenn ihr Tier Durchfall oder Erbrechen zeigt. In den meisten Köpfen ist fest verankert, dass das „nicht normal“ sein dürfe und möglichst schnell abgestellt werden müsse. Genau dieses Denken führt jedoch oft dazu, dass wichtige Körpersignale übergangen oder unterdrückt werden. Dieser Artikel soll helfen, Durchfall bei Hund und Katze neu einzuordnen – nicht als Störung, sondern als Hinweis darauf, dass der Organismus arbeitet und noch reagieren kann.

Teil 1

Durchfall ist kein Fehler. Durchfall ist eine Sprache.

Kaum hat ein Hund oder eine Katze Durchfall, passiert fast immer das Gleiche:
Menschen erschrecken.
Menschen werden nervös.
Menschen wollen, dass es sofort aufhört.

„Das ist doch nicht normal.“
„Das kann man doch nicht so lassen.“
„Da stimmt doch was nicht.“

Doch genau hier beginnt das Problem.

Durchfall ist kein Defekt.
Durchfall ist keine Krankheit.
Durchfall ist zunächst einmal ein Signal.

Und zwar eines der wichtigsten, die der Körper überhaupt hat.

Ein Darm, der Durchfall macht, lebt

Der Darm von Hund und Katze ist kein stilles Rohr, durch das einfach nur Futter rutscht.
Er ist ein hoch sensibles Steuerungsorgan.

Er entscheidet:

  • Was bleibt drin
  • Was geht raus
  • Was passt
  • Was nicht passt

Wenn ein Hund oder eine Katze Durchfall bekommt, heißt das nicht:
„Der Körper versagt.“

Es heißt:
Der Körper reagiert.

Und Reaktion ist immer besser als Stillstand.

Warum viele Menschen Durchfall gar nicht mehr einordnen können

Viele Tierhalter kennen Durchfall nur als etwas „Gefährliches“.
Nicht, weil es biologisch so ist – sondern weil sie nie echte Darmreaktionen erleben.

Das betrifft vor allem Tiere, die:

  • dauerhaft Trockenfutter bekommen
  • mit sogenannten „sensitiven“ oder „hypoallergenen“ Futtersorten gefüttert werden

Diese Fütterungsformen sorgen vor allem für eines: Ruhe.

Und Ruhe wird mit Gesundheit verwechselt.

Trockenfutter macht keinen gesunden Darm – sondern viel Kot

Trockenfutter sorgt nicht für einen gesunden Darm.
Es sorgt vor allem für eines: viel Kot.

Warum?

Weil Trockenfutter einen hohen Anteil an:

  • unverdaulichen Bestandteilen
  • pflanzlichen Füllstoffen
  • technologischen Hilfsstoffen

enthält.

Der Körper kann einen großen Teil davon nicht sinnvoll verwerten.
Was er nicht verwerten kann, muss wieder raus.

Das Ergebnis:

  • große Kotmengen
  • oft voluminöse, auffällige Haufen
  • scheinbar „geformter“ Kot
  • Viele Menschen interpretieren das als:
    „Mein Hund verdaut gut.“

In Wirklichkeit heißt es:
Der Körper entsorgt viel Unverwertbares.

Ein artgerecht gefütterter Hund oder eine Katze produziert dagegen:

  • deutlich weniger Kot
  • kompaktere Mengen
  • weil das Futter biologisch besser verwertet wird

Große Kotmengen heißen also nicht gesunder Darm.
Große Kotmengen heißen oft nur: viel Müll.

Futtersorten mit dem Hinweis „sensitiv“ oder „hypoallergen“

Viele Futtersorten, die als „sensitiv“ oder „hypoallergen“ bezeichnet werden, arbeiten mit einer stark vereinfachten Rezeptur.

Das bedeutet häufig:

  • hoher Anteil an Kohlenhydraten (z. B. Kartoffel, Reis, Hirse oder ähnliche Stärkequellen)
  • vergleichsweise niedriger Fleischanteil
  • reduzierte Vielfalt an Zutaten

Für den Darm kann das kurzfristig bedeuten:

  • weniger Reize,
  • weniger Reaktionen,
  • weniger sichtbare Symptome.

Für den Körper bedeutet das jedoch nicht automatisch Entlastung.

Kohlenhydrate müssen im Körper enzymatisch aufgeschlossen werden. Dafür ist unter anderem die Bauchspeicheldrüse zuständig (sie produziert Verdauungsenzyme). Eine dauerhaft sehr kohlenhydratreiche Fütterung kann die Bauchspeicheldrüse auf Dauer belasten. Das Problem liegt dabei nicht im Namen des Futters, sondern in der Zusammensetzung. Darum ist es entscheidend, nicht auf Werbeaussagen, sondern auf die Deklaration zu schauen.

Hypoallergen & Sensitive: weniger Reaktion, weniger Rückmeldung

Durch stark reduzierte Rezepturen reagiert der Darm oft kaum noch. Warnsignale bleiben aus.

Für den Menschen fühlt sich das gut an:
„Endlich kein Durchfall mehr.“

Für den Körper heißt das:
Ich kann nichts mehr sagen.

Und ein Körper, der nichts mehr sagen kann, ist nicht automatisch gesund.

Ein gesunder Darm reagiert – immer wieder

Hund und Katze sind Fleischfresser.
Ihre Verdauung ist darauf ausgelegt, auf Veränderungen zu reagieren.

Beispiele aus dem Alltag:

  • neue Fleischsorte
  • neues Leckerli
  • Frischfleisch zwischendurch
  • rohes Fleisch
  • ein belastender Reiz von außen

All das kann dazu führen, dass:

  • der Kot weicher wird
  • kurzfristig Durchfall entsteht
  • Das ist normal.

Nicht angenehm – aber normal.

24 Stunden später Durchfall – kann es das Futter gewesen sein?

Ein ganz simples Beispiel:

Du gibst deinem Hund oder deiner Katze ein neues Leckerli.
Etwa 24 Stunden später: Durchfall.

Was ist passiert?

Nicht:
„Mein Tier ist krank.“

Sondern:
Der Darm hat entschieden: Das hat nicht gepasst.

Und genau dafür ist er da.

Der Darm ist kein Gegner.
Er ist ein Frühwarnsystem.

Gerade bei Katzen und Hunden zeigt sich eine futterbedingte Reaktion häufig relativ zeitnah, wenn vorher tatsächlich etwas verändert wurde.

Futterreaktion oder andere Belastung?

Natürlich muss Durchfall in diesem Zusammenhang nicht ausschließlich vom Futter kommen.

Hier hilft oft der zeitliche Verlauf bei der Einordnung:

Wenn das Futter über längere Zeit gleich geblieben ist und plötzlich Durchfall auftritt, ist Futter als alleinige Ursache eher unwahrscheinlich. Eine futterbedingte Problematik würde sich in solchen Fällen meist schleichend entwickeln – nicht plötzlich von einem Tag auf den anderen.

Gab es hingegen zuvor eine chemische Gabe oder andere körperfremde Belastung, kann der Körper sehr unterschiedlich reagieren.

Er kann:

  • sofort reagieren
  • oder zunächst kompensieren und erst Tage oder sogar Wochen später mit Durchfall reagieren

In manchen Fällen hält der Organismus eine Zeit lang durch.
Fällt diese Kompensation irgendwann weg, tritt der Durchfall verzögert auf – und niemand bringt ihn noch mit der früheren Belastung in Verbindung.

Auch hier gilt:
Der Durchfall kann ein Zeichen dafür sein, dass der Körper versucht, etwas loszuwerden – nicht zwingend dafür, dass ein Organ „kaputt“ ist.

Warum das Unterbrechen von Durchfall problematisch sein kann

Wenn Durchfall sofort unterbrochen wird, kann Folgendes passieren:

  • das Signal verschwindet
  • die Ursache bleibt
  • der Körper muss andere Wege finden

Das Problem wird nicht gelöst, sondern verlagert.

Heute Darm.
Morgen Haut.
Übermorgen Stoffwechsel.
Irgendwann andere Organe.

Nicht, weil der Körper „spinnt“, sondern weil er nicht gehört wurde.

„Oh, hat dein Hund schon wieder Durchfall?“

Diese Kommentare kennen vor allem Menschen, die artgerecht füttern.

Ein Hund hat mal weichen Kot.
Eine Katze reagiert kurz auf etwas Neues.

Und von außen kommt:
„Das ist aber nicht normal.“
„Meiner hat sowas nie.“

Diese Aussagen kommen sehr häufig von Tierhaltern, deren Tiere mit Trockenfutter ernährt werden.

Nicht aus Bosheit – sondern weil sie echte Darmreaktionen gar nicht mehr kennen.

Kotkonsistenz ist kein Gesundheitsbeweis

Ein Hund oder eine Katze, die „immer perfekt“ koten, sind nicht automatisch gesund.

Oft bedeutet das:

  • der Darm meldet nichts mehr
  • der Körper erträgt
  • statt zu regulieren

Das wird dann als „robust“ verkauft.

In Wahrheit ist es oft nur stumm.

Durchfall ist kein Grund zur Panik – sondern zur Beobachtung

Wichtig ist nicht:
„Hat mein Tier Durchfall?“

Wichtig ist:

  • Was habe ich gefüttert?
  • Was war neu?
  • Was kam zusätzlich dazu?

Wenn ich das weiß, kann ich Durchfall einordnen.

Und Einordnung ist der erste Schritt zu Verantwortung.

Das größte Missverständnis: Kein Durchfall = alles gut

Viele Menschen glauben:
„Solange kein Durchfall da ist, ist alles in Ordnung.“

Das stimmt nicht.

Kein Durchfall heißt nur:
Der Darm meldet nichts.

Warum er nichts meldet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Warum Durchfall oft der Anfang von Verständnis ist

Ein Körper, der Durchfall zeigt:

  • reagiert
  • sortiert
  • schützt sich

Ein Körper, der nichts mehr zeigt:

  • schluckt
  • kompensiert
  • hält aus

Und das ist auf Dauer deutlich gefährlicher.

Ein erster Gedanke zum Schluss

Viele Tierhalter lassen bei akutem Durchfall sehr schnell weitere Untersuchungen machen, um „auf Nummer sicher zu gehen“.

Was dabei oft vergessen wird:
Ein Körper, der gerade Durchfall hat, arbeitet auf Hochtouren.

Was das für die Einordnung weiterer Werte bedeutet und warum man dabei sehr genau hinschauen muss, bevor man voreilige Schlüsse zieht, darauf gehen wir im nächsten Artikel ein.

Häufige Fragen zu Durchfall bei Hund und Katze (FAQ)

1. Ist Durchfall bei Hund oder Katze immer gefährlich?

Nein. Durchfall kann eine normale Reaktion des Körpers auf Futter, Stress, Veränderungen oder Belastungen sein.

2. Wie lange darf Durchfall bei Hund oder Katze dauern?

Durchfall kann mehrere Tage, oft bis zu 5 Tage, andauern – solange das Tier kein Fieber hat und nicht matt oder apathisch wirkt. Gerade bei möglichen Fremdkörpern (z. B. Plastik, Haare, Stofffasern) kann Durchfall ein Reinigungsmechanismus sein.

3. Kann neues Futter Durchfall verursachen?

Ja. Neue Fleischsorten, Leckerlis oder Frischfutter können Durchfall auslösen, weil der Darm sich anpassen muss.

4. Ist längerer Durchfall bei einer Futterumstellung normal?

Ja. Eine vollständige Umstellung kann Wochen bis Monate dauern. Bei Tierschutzhunden kann es auch deutlich länger dauern.

5. Warum haben Trockenfutter-Tiere oft keinen Durchfall?

Nicht, weil der Darm gesünder ist, sondern weil Trockenfutter den Darm weniger reagieren lässt – er kann stillgelegt wirken.

6. Ist fester Kot ein Zeichen für einen gesunden Darm?

Nein. Kotkonsistenz allein sagt nichts über die Darmgesundheit aus. Ein gesunder Darm darf reagieren.

7. Produziert artgerechte Fütterung mehr Durchfall?

Nein. Artgerechte Fütterung produziert meist weniger Kot. Bei der Umstellung von Trockenfutter kann es vorübergehend zu Durchfall kommen.

8. Sollte man Durchfall sofort unterbrechen?

Nein. Durchfall kann ein Reinigungs- und Schutzmechanismus sein. Wird er unterdrückt, können Belastungen im Darm verbleiben.

9. Was ist schlimmer: Durchfall oder gar keine Darmreaktion?

Langfristig kann ein Darm, der gar nicht mehr reagiert, problematischer sein. Der Darm ist oft das erste Warnsignal, bevor Haut oder Stoffwechsel reagieren.

10. Wann sollte man genauer hinschauen?

Wenn Durchfall länger als eine Woche anhält, immer wiederkehrt, schleimig oder blutig wird oder mit Fieber bzw. deutlicher Schwäche einhergeht, sollte man genauer hinschauen.

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